Rezension: "Krieg: Stell dir vor, er wäre hier" - Janne Teller

4/01/2011 11:06:00 vorm.


So meine lieben Bücherfreunde,

hier meine Rezension zu "Krieg" von Janne Teller. Wollte das Buch gestern nur anlesen, nachdem ich es voller Freude, im Briefkasten entdeckt hatte, doch da es relativ dünn ist und mit Bildern geschmückt, hatte ich es nach nicht mal einer halben Stunde aus.




"Irgendwie ist das Leben ganz anders geworden, als es hätte werden sollen. Jemand kam und stahl dein Leben und machte es zu etwas anderem. Zu etwas, was weder hier noch dort ist."

Inhalt:

Stell dir vor, wir hätten Krieg. Heute, jetzt hier. Das Deutschland, das du kennst, existiert nicht mehr, ist dem Erdboden gleich. Dein Tagesziel ist: überleben, deine Familie versorgen. Deine Mutter ist krank, deine Schwester zu klein und dein Bruder arbeitet hart. Der einzige Ausweg, bleibt ein Leben als Flüchtling. Du erkämpfst so gerade das Asyl in Ägypten für dich und deine Familie, nur um dem Geräusch der Bomben zu entfliehen. Doch egal wo du jetzt auch sein wirst, dein Leben wird nie wieder das sein, was es mal war. Du wirst dich nie wieder irgendwo fühlen, wie zu hause. Du wirst immer ein Fremder sein. Stell dir all dies vor und sag mir dann, wie es sich anfühlt [...]

Meinung:

Zuerstmal muss ich noch etwas zu dem Päckchen sagen. Denn der Hanser-Verlag, hat die Büchersendung wirklich total süß verschönert. Auf dem Karton, neben meiner Anschrift, klebt ein Sticker. Auf diesem Sticker ist eine kleine Bildergeschichte zum Thema "Lesen" und "Buch". Wirklich total süß. Dabei handelt es sich wohl um einen Auszug aus einer Bildergeschichte von Lane Smith mit "Das ist ein Buch!" Ist mir wie gesagt, direkt sehr positiv aufgefallen, deshalb habe ich euch oben auch ein Bild dazu hochgeladen.


Aber auch sonst, bin ich regelrecht begeistert. Ich hatte ja bereits "Nichts" von Janne Teller gelesen und empfand es als sehr kritisches Werk, dass beim Leser nachpocht. Es war eher schockierend als lustig oder aber auch spannend, doch es hat zum Nachdenken angeregt und zu einem Meinungsbild gezwungen. Jetzt, nach "Krieg" bin ich wieder mitgenommen und in meinem Kopf schwirren die Gedanken. Meiner Meinung nach, hat Janne Teller sich erneut mit einem kritischen Thema auseinandergesetzt, auf ihre ganz eigene Weise. Dabei ist der Gedanke ganz nahe, dass die geschriebenen Worte, Wirklichkeit werden können. Denn so fern sind ihre Ansätze nicht. Auf ca. 64 Seiten beschreibt die Autorin, wie es wäre, wenn in Deutschlang Krieg herrschen würde. Dabei setzt sie ganz gewollt und geschickt die Anrede "Du" ein. Damit fühlt sich der Leser direkt angesprochen und kann augenblicklich in das Geschehen eintauchen.


Wie auch in ihren vorherigen Werken, schreibt sie sehr kurze und knappe Sätze, die alles direkt auf den Punkt bringen. Dabei lässt sie überflüssige Beschreibungen weit hinter sich. Ich für meinen Teil, habe diese Beschreibungen nicht gebraucht, denn duch die Ansprache per "du" habe ich auch so gut in die Geschichte gefunden. Trotzdem weiß ich, dass viele besonders damit Probleme haben. Besonders die Tatsache, dass die Handlung relativ schnell voran schreitet und das Buch wenige Seiten hat, wird es vielen bestimmt erschweren, sich einzufühlen. Ich bin jedoch damit gut zurecht gekommen und fand, dass der Schreibstil auch zur Handlung passt.


Beschrieben wird aus der Sicht eines Jungen, der zu Anfang um die 16 Jahre alt ist. Zusammen mit seiner Familie muss er aus dem Krieg in Deutschland flüchten. Dabei hat er als persönlichen Gegenstand sein Tagebuch im Gepäck. Einige Male, habe ich mir beim Lesen gedacht, dass das Buch, einem Tagebuch ähnelt, weil die Sätze knackig und kurz sind und wirklich nur wesentliche Züge beschreiben. Dies ist jedoch nur mein empfinden gewesen, ich weiß nicht, ob dieser Eindruck von der Autorin gewollt war.


Was ich besonders schön fand, war vorallem die Aufmachung des Buches. Die Autorin selbst, beschreibt es als "Essay". Aufgemacht ist das Cover wie ein Pass, was genau zum Inhalt passt. Schließlich ist die beschriebene Familie auf der Flucht in ein anderes Land und dafür mussten sie sich u.a. einen neuen Pass zulegen und ihr ganzes Erspartes verbrauchen. Des weiteren, sind die Seiten mit Bildern geschmückt, die sehr gut an den Inhalt angelehnt sind.



Abschließend kann man sagen, dass dieses Werk wohl nicht jedem gefallen wird, meiner Meinung nach jedoch genug kritisches Material liefert, dass nach dem Lesen im Kopf nachpocht und einen kritisch werden lässt. Schließlich sind wir alle ein Teil dieser Welt, dieses Landes und demnach ist es auch unser Handeln, was später zu bestimmten Situationen und Entscheidungen beiträg. Besonders die Frage nach dem "zu hause" schwirrt mir, selbst gerade noch im Kopf umher. Dazu sind ein paar Zeilen beschrieben, die mir wirklich unter die Haut gegangen sind:


"Für die Deutschen, die während des Krieges im Land blieben, giltst du als Verräter. Für die neuen, französisch eingestellten Behörden stehst du wegen der Rolle deines Bruders bei der Milizia auf der Liste der Feinde [...] Trotzdem bist du ein Fremder. Trotzdem denkst du jeden Tag daran, wann du nach Hause zurückkehren kannst. Nach Hause. Nach Hause?"


Ein Flüchtling ist weder in seiner ehemaligen Heimat zu hause, noch in dem Land, in dem er Zuflucht bekommt. Man wird innerhalb weniger Tage heimatlos, deshalb ist das Einzige, an das man sich klammern kann, seine Familie.


Janne Teller. glänzt erneut mit einer kritischen Gechichte, in welche sie den Leser gekonnt verwebt. Man fühlt mit, hat angst, ist traurig und kämpft um sein Leben - ein besseres Leben. In einer Heimat, die nie heimisch sein wird. Die Worte in "Krieg: Stell die vor, er wäre hier", schmecken bitter nach und hinterlassen mehr Fragen als Antworten, doch schließlich muss man manchmal eine Frage in den Raum werfen, damit Andere anfangen zu denken. Ich werde Janne Teller auf jedenfall im Auge behalten, denn ich glaube und weiß, dass von ihr noch weitaus mehr zu erwarten ist - ich bin gespannt und hoffe, dass sie weitere Werke verfasst, die nicht im Schatten von "Krieg" und "Nichts" verweilen werden.




An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich bedanken, für dieses Leseexemplar:

Facts:
Janne Teller wurde am 8.4.1964 in Kopenhagen geboren. Ihre Mutter stammt aus Österreich und ihr Großvater väterlicherseits aus Norddeutschland.
Ihre erste Erzählung veröffentlichte sie im Alter von 14 Jahren in der dänischen Zeitung Berlingske Tidende. Mit 30 kündigte sie dann ihren Beruf, mietete eine Ein-Zimmer-Wohnung in Kopenhagen und widmete sich ausschließlich dem Schreiben. Nach vier Jahren erschien 1999 ihr hoch gelobtes Debüt "Odins Insel".

Ein Jahr später erschien "Nichts", das der Verlag zunächst gar nicht publizieren wollte, weil es zu außergewöhnlich war. In den ersten zwei Jahren wurde auch kaum ein Exemplar verkauft. Dann bekam der Roman den Dänischen Kinderbuchpreis 2001 und fand immer mehr Leser, aber es gab auch viel Widerstand, nicht nur in der Presse. Auch Lehrer, Bibliothekare und Priester wollten verhindern, dass Kinder dieses Buch lesen dürfen. Anfangs war es sogar vom dänischen Schulamt in Viborg verboten - an den Schulen in Westnorwegen ist es bis heute nicht erlaubt.


Mittlerweile ist in Dänemark die 14. Auflage erschienen, und "Nichts" ist eines der am häufigsten verwendeten Bücher in den dänischen Abiturprüfungen. In Dänemark, Schweden, Finnland und Frankreich wird es als Theaterstück aufgeführt, in Dänemark und Schweden auch als Musical. Der Roman ist in 13 Sprachen verkauft, im Februar in den USA erschienen und hat vor kurzem auch den Prix Libbylit 2008 für den besten Kinder/Jugendroman der französischsprachigen Welt bekommen.

[Quelle: Hanser-Verlag]


Alles Liebe!
Eure Jenny

Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken...

4 Wortgeflüster

  1. Hört sich nach einem Buch an, das jeder mal lesen sollte. LG :)

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  2. Hallo,
    deine Rezension ist echt toll und mir selber ist das auch alles durch den Kopf gegangen was du beschrieben hast als ich das "Buch" gelesen habe. Ich finde dein Bild auch richtig schön in deinem Header und werde öfters bei dir vorbei schauen :)
    Einen lieben Gruß,
    Bianca

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  3. Dankeschön,
    mir gefällt deiner auch, mit dem Holz - sowas hab ich noch gar nicht gesehen!
    Ja mich gibt es noch nicht lange als Blogger :)

    Lieber Gruß
    Bianca

    Achja bevor ichs vergess,
    ich finde One Tree Hill auch super. Ich habe alle 6 Staffeln und ich kann nur sagen die Folgen werden immer besser :)

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  4. Welches Buch gefällt schon jedem? Alles ist Geschmacksache. Aber Fakt ist, dass die Autorin hier ein düsteres Bild zeichnet und deutlich macht, wie sich Migranten bei uns fühlen. Damit hat sie einen empfindlichen Nerv getroffen.

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