Rezension: "Rain Song" - Antje Babendererde

5/21/2011 06:01:00 nachm.

Wenn sich die Vergangenheit mit dem Hier und Jetzt vermischt, schaut man manchmal in Abgründe, denen man am Liebsten nie begegnet wäre.

"Manchmal fällt es einem schwer loszulassen, weil man Angst hat, dass man dann ins Bodenlose fällt. Ich habe Angst, Jim loszulassen."

Erster Satz:
Weiße Nebelfetzen hingen in den zerklüfteten Felsen vor der Steilküste von Cape Flattery und ein leichter Wind trieb die Wellen des Pazifiks sanft gegen das steinige Ufer am Kap.

Inhalt:
Vor vier Jahren schien die Zukunft für die deutsche Hanna und den Indianer Jim endlos und voller Glück, die zwei wollten, allen Vorurteilen zum Trotz heiraten und eine Familie gründen, doch dann verschwand Jim spurlos. Erst nahm die junge Hanna an, dass er sie nicht mehr lieben würde und stellte keine Fragen, suchte ihn nicht. Doch mit den Tagen ohne ihn, wurden die Fragen in ihrem Kopf und die Sehnsucht in ihrer Brust immer stärker, denn ein Stück von ihm, war immernoch an ihrer Seite, ihre gemeinsame Tochter Ola. Denn kurz nach der Abreise des Indianers bemerkte Hanna, dass sie von ihm schwanger war. Nun, vier lange Jahre später, macht sie sich auf die Suche nach Jim und nach Antworten. Sie will herausfinden, was mit ihm passiert ist und reist in den kleinen Ort "Neah Bay". Bei einem Ausflug auf eine Ausichtsposition, fällt sie dort durch das abbrechende Geländer in die Tiefe. Nur der junge Indianer Greg, schafft es noch das Schlimmste zu verhindern und rettet Hanna das Leben. Doch Greg ist nicht irgendein Indianer, er ist der Bruder von Jim - und so nimmt die Geschichte ihren Lauf. Denn steht Greg, Hanna am Anfang noch etwas skeptisch gegenüber, so kann er bald schon nicht mehr seine Gefühle für sie leugnen und entschließt sich, ihr bei der Suche nach Jim zu helfen, der wider jeder Erwartugen nie in Neah Bay ankam.

Es beginnt ein rasantes Abenteuer, voller Misstrauen, Vorurteilen und Geheimnissen, die Hanna und Greg, wie einen Strudel aufsaugen und der grausamen Wahrheit entgegen treiben.


Schreibstil:
Der Schreibstil von Antje Babendererde, ist ungalublich bildlich und schön, dass man als Leser keine andere Wahl hat, als voll und ganz in die Geschichte und die Welt der Indianer einzutauchen. Dabei schafft die Autorin es nicht nur, einen interessanten Jugendroman zu verfassen sondern auch, die ganzen Probleme, Vorurteile und auch die Kultur, eines ganz anderen Volkes: der Indianer auf die Seiten zu bringen, ohne dabei für große Langartmigkeit zu sorgen. Der besondere Schreibstil macht für mich, jeden Satz von ihr einzigartig. Sie schreibt mit so viel Gefühl und so bedacht, dass man hinter jedem Wort die Liebe zum Detail, erfassen kann.


Idee/Umsetzung:
Die Idee dieser Geschichte fand ich leider nicht so überzeugend, wie den Schreibstil. Wer schon andere Werke der Autorin gelesen hat, wird bei "Rain Song" einige parallel erkennen können. Denn wie auch in einigen anderen Bänden der Autorin, spielt der Zwiespalt zwischen Indianern und Weißen eine sehr große Rolle. Diese Tatsache an sich, finde ich nicht so schlimm, denn es ist eine interessante Darstellung, aus der man durch die richtige Umsetzung , viel machen kann. Jedoch finde ich, hat Antje Babendererde zu wenig daraus gemacht. Denn oftmals fand ich die Handlungen vorhersehbar und ziemlich langatmig. Dies war am Ende auch der Grund, warum ich nicht wirklich warm wurde mit der Geschichte. Bis zu den letzten Seiten, fehlte es für mich deutlich an Spannung oder anderen Handlungen, die den Leser voll und ganz fesseln. Zwar waren einige Ansätze vorhanden, die von der Autorin jedoch schnell wieder verworfen wurden. So kam es dazu, dass sich der Mittelteil des Buches ziemlich gezogen hat. Dafür kam das Ende dann sehr schnell und plötzlich, so dass ich als Leser das Gefühl hatte, die Autorin hätte alles "schnell" auf den Punkt bringen wollen. Ich finde es wirklich schade, dass mich "Rain Song" nicht so fesseln konnte, wie ich es mir gewünscht hatte. Denn von "Libellensommer" wie auch "Die verborgene Seite des Mondes", war ich hellauf begeistert.


Cover:
Das Cover des Buches finde ich sehr gelungen. Meiner Meinung nach hat der
Arena-Verlag hier ganze Arbeit geleistet. Man kann die Stimmung des Buches sofort einfangen und erkennt in der Landschaft einfach die Indianer wieder - so erging es zumindest mir. Zudem passt die Umsetzung gut zu der Tatsache, dass es in der Geschichte oft regnet und oft Nebel oder Gewitter, den Himmel und die Luft beherrschen.
Das zweite Cover, mit dem Titel
"Der Pfahlschnitzer", passt auch wirklich sehr gut zu der Geschichte von Hanna, Greg und Jim. Denn Jim wie auch Greg sind von Beruf: Pfahlschnitzer. Bei dieser Ausgabe, handelt es sich um den Vorgänger von "Rain Song". Demnach ist "Rain Song" die überarbeitete Fassung. Schöner finde ich jedoch die Covergestaltung des ersten Bildes, wobei dies auch gewiss, Geschmackssache ist.

Titel:
Das Buch hatte zuerst den Namen:
"Der Pfahlschnitzer", was ich angemessen an der Geschichte auch sehr zutreffend finde, dann bei der Überarbeitung, wurde das Jugendbuch in "Rain Song" umgeändert. Zwar stellt dieser Titel keinen Direkten und deutlich, erkennbaren Bezug zu der Haupthandlung des Buches, kann aber trotzdem als passend angesehen werden, wenn man sich erneut auf die Wetterlage in "Neah Bay" bezieht. Demnach finde ich zwar den ersten Titel passender, kann mich aber auch mit dem zweiten sehr gut anfreunden.

Fazit:
Bei
"Rain Song" handelt es sich um ein Abenteuer, welches den Leser in eine ganz neue Welt entführt. Diese Welt, die Welt der Indianer, ist geprägt durch Misstrauen, Regeln, Vorurteile aber auch Liebe, Mut und Hoffnung. Antje Babendererde schafft es vorallem mit einem überzeugenden Schreibstil, den Leser zu faszinieren und zu bannen, jedoch scheitert sie leider manchmal an der Umsetzung. Trotzdem finde ich, handelt es sich hierbei um eine erfrischende Geschichte, die einen bewegt und auch nachdenklich zurücklässt. Die Geschichten und die Welt der Indianer ist so eng und klein, dass Außenstehende, vorallem Weiße, kaum eine Chance in diesem Kosmos haben. Die Tatsache und die, dass A. Babendererde es schafft, dies dem Leser durch einen Roman zu verdeutlichen, finde ich großartig und überzeugend. Auch wenn dieses Buch, meiner Meinung nach, einen großen Kontrast zu seinen Vorgängern bietet, so bleibe ich doch ein großer Bewunderer und Fan der Autorin, die sich einfach darauf versteht, die Kultur der Indianer in Wort zu fassen.




Facts:
Antje Babendererde wurde 1963 in Jena, Thüringen, geboren und war zunächst als Arbeitstherapeutin in einem Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie tätig. Seit 1996 ist sie freiberufliche Autorin mit einem speziellen Interesse an der Kultur der Indianer. nach intensiven USA-Reisen und den Besuchen verschiedener Reservate erschienen von ihr mehrere Romane für Erwachsene zu diesem Thema.






 
Seite der Autorin:
antje-babendererde.de



Eure Jenny

Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken...

1 Wortgeflüster

  1. Deine Rezension klingt überwiegend positiv und dann gibst du "nur" 3 Herzen? ;)
    Nein, scherz! Ich fand das Buch unglaublich schön, aber andere Werke von Antje Babendererde gefielen mir irgendwie besser...

    GLG!

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