Rezension: "Gebannt: Unter fremdem Himmel" - Veronica Rossi

3/17/2012 02:57:00 nachm.


"Kannst du bitte hierbleiben? Ich glaube, ich würde besser schlafen, wenn du heute Nacht hierbleibst. Dann können wir sie gemeinsam vermissen." Sein erster Impuls bestand darin, ihr zuzustimmen, sie war wunderschön, wie sie so gegen das Kopfbett gelehnt dasaß; ihre Haut wirkte glatter, sogar weicher als die Decke, die sie um sich gezogen hatte. Doch Perry zögerte. Das Gefährlichste, was ein Witterer tun konnte, war das Schlafen in unmittelbarer Nähe eines anderen Menschen. Denn in der Harmonie des Schlafs vermengen sich die Stimmungen. Sie vermischen sich und gingen ihre eigenen Bindungen ein. Auf diese Weise gaben sich Witterer hin.



Erster Satz:
 Die Welt außerhalb der Biosphäre nannten sie die "Todeszone".

Die Welt in der Zukunkt: zerteilt in zwei Völker, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die eine Welt, welche bewohnt wird von den "Siedlern", wird beherrscht von Technologien und dem abgeschottet sein von der "Außenwelt" - denn wer einmal die gesicherte Biosphäre verlässt, wer einmal die Außenzonen betritt, der ist dem Tode geweiht, denn draußen hat bisher keiner überlebt. Die Natur wird behrrscht von Ätherstürmen. Wilde Naturvorgänge: stürmisch, gefährlich und vorallem lebensgefährlich. Denn der Äther macht die Menschen krank, raubt ihnen nach und nach die Kraft, bis sie schließlich sterben. Deshalb verschanzt sie die eine Gesellschaft in Biosphären, führt ein sicheres Leben, in elektronischen Welten, in welchen alles nur durch die Vorstellungskraft lebt, während die andere Menschengruppe draußen, in der Todeszone ums überleben kämpft - die "Außenseiter". 

Zwei Welten, zwei Teile, zwei Völker, die in feindschaft nebeneinander her leben und sich verachten. Beide unvereinbar.

Doch eines Abends führt das Schicksal die junge Aria, eine Siedlerin, aus den sicheren  Biosphähren, und den wilden "Peregrine", einen Außenseiter zusammen und ein aufregendes Abenteuer beginnt. Beide sind sie auf der Suche - Aria sucht, nachdem sie von der Biosphäre verstoßen und in die Todeszone, in die Außenwelt verbannt wurde, nach ihrer Mutter, denn sie wird eines Vergehens beschuldigt, dessen sie unschuldig ist. Peregrine, von allen nur Perry genannt, sucht nach seinem Neffen, der bei einem Überfall der Siedler entführt wurde. Beide haben sie ein Ziel, beide haben sie einen Weg. Schnell wird klar, dass sie einander brauchen und nur gemeinsam siegen und gewinnen können. Deshalb schließen sie sich zusammen. Zunächst trauen sie einander nicht über den Weg, hassen und verachten sich gegenseitig, denn schließlich ist Aria eine Siedlerin und Perry ein Außenseiter. Aber schon bald müssen beide erkennen, dass sie mehr verbindet, als sie geglaubt haben und das aus Hass schnell Liebe werden kann...


Idee/Umsetzung:
Dystopien sind mitlerweile fester Bestand der Buchwelt geworden. Ich finde es wird mitlerweile umso schwerer, gute Dystopien zu schreiben, die sich mit ihrer Idee grundlegend von den anderen unterscheiden. Als ich anfing "Gebannt" zu lesen, war ich voller Erwartung. War dies endlich wieder eine Dystopie, dir mir unter die Haut gehen würde? Der Klappentext klang neu und erfrischend, ich wollte so gerne in eine neue Welt eintauchen. Im Grunde unterscheidet sich "Gebannt" natürlich nicht allzu von anderen Werken. Alle Bücher haben eine gewisse Gesellschaftskritik im Vordergrund. Auch "Gebannt" handelt von einer Kritik an der Lebensweise der Menschen. 

Ätherstürme beherrschen und dominieren den Alltag. Menschen sterben wegen der Naturkatastrophe, mutieren, verlieren sogar den wirklichen Bezug zum Leben, zum echt sein. Die Menschen, die in der Außenwelt leben gründen Stämme, und verteidigen diese indem sie die stärksten ihres Stammes dazu benutzen, dieses zu sichern. Denn durch den Sturm sind Mutationen aufgetreten, sodass einige Leute nun durch besondere Fähigkeiten ausgezeichnet sind, die dem jeweiligen Volk von großen Nutzen sind. So gibt es zum Beispiel: "Horcher", "Witterer" oder auch "Seher". Die einen können auf Meilen Geräusche hören, die Anderen können sehr gut riechen oder gar sehr weit sehen. 
Dazu im Kontrast stehen die Siedler. Ihr Leben ist unspektakulär. Ihre Haut ist weiß, ohne Narben, ohne Spuren, denn sie leben wie in Watte verpackt. Um ein Abenteuer zu erleben oder um überhaupt etwas zu spüren, bewegen sie sich nicht, sondern haben ein sg. "Smarteye" auf ihrem Kopf, vor ihrem Auge, mit welchem sie sich in imaginäre Welten versetzen können. Hier können sie tanzen, rennen, Spaß haben, während ihr Körper vor Ort, sich nicht bewegt. Alles spielt sich im Kopf ab, durch die Verbindung zum Gehirn kann das Smarteye sogar Gerüche und Berührungen auf den Körper übertragen. Alles scheint echt, doch nichts ist wirklich. Denn die Wirklichkeit ist gefährlich. Ich finde die Autorin hat sich hier etwas Gutes, neues ausgedacht. Zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein können, durch ein gemeinsames Problem, die Ätherstürme in zwei Teile gespalten, dazu getrieben sich gegenseitig zu verachten und auzuschließen. Zu anfang hat mich das ganze Buch, von der Atmosphäre her, an die Serie "LOST" erinnert. Denn auch dort gab es einen Bereich auf der Insel, der abgetrennt war und für Bewohner von Außen, durch einen gesicherten Zaun, verschlossen war. Ähnlich ist es auch in "Gebannt". Die zwei Teile, zwei Welten sind hier voneinander sehr klar getrennt. Dabei ist das Wort "Welten" sehr treffend, denn die zwei Gesellschaften sind sehr unterschiedlich. Nicht nur ihre Lebensweise sondern auch ihr ganzes Handeln, steht in völligem Kontrast zueinander. 

Dadurch wird, neben den Ätherstürmen, ein großer Konflikt und somit zusätzlicher Spannungsstrang erstellt, der sich neben der Angst um die Naturgewalt in die Geschichte mischt. Damit hätte die Autorin demnach genug Potential etwas aus ihrer Geschichte zu machen. Dies schafft sie dann manchmal aber nur teilweise. Auch wenn es sehr viele, mitreißende Stellen gibt, die ihre Leser fast in den Wahnsinn treiben und die Seiten nur so daher fliegen lassen, gibt es viele, einzelne Spannungsbögen, welche die Autorin manchmal einfach ohne Grund, sehr oberflächlich abbrechen lässt. Dies führt dann dazu, dass die Geschichte an einigen Stellen, sehr flach wird und beim Leser kein richtiges Gefühl aufkommen mag.

Trotzdem ist es der Autorin gut gelungen, mich durch diese genannte Welt, beherrscht von einer Naturgewalt, zu überzeugen. Denn neben Technik, spielt hier auch das Gegenstück, die Natur, eine große Rolle. Bisher habe ich noch nicht viele Bücher gesehen, in diesem Genre, die ein Thema mal von dieser Seite aufgreifen. Deshalb ist das Buch aus dieser Sicht, für mich, sehr überzeugend und jede Reise wert. Auch wenn der Spannungsverlauf manchmal etwas verstörend ist, so hat Veronica Rossi doch einige, sehr nervenaufreibende Kapitel erschaffen, die dann den Ausgleich schaffen und ihre Leser befriedigt zurück lassen.

Schreibstil:
Der Schreibstil von Veroncia Rossi, verlangt eigentlich kaum Wörter. Er ist weder poetisch, noch besonders verträumt oder ausgeprägt, aber dies braucht die Geschichte um Aria und Perry auch gar nicht. Die Autorin schreibt nicht schlecht, sie schreibt auf einem angemessenen Niveau und hält die Spannung der Leser, bis auf ein bis zwei kritische Stellen, immer auf einem relativ hohen Punkt. Zusätzlich ist es für das Herz der Geschichte sehr passend, dass die Autorin immer wieder zwischen der Sicht von Aria und Perry hin und her wechselt. Denn dadurch bekommt der Leser einen Einblick in die verschiedenen Welten, zwei unterschiedliche Gefühle und Ängste und findet sich so, viel besser in die Geschichte ein.

Charaktere:
Die Charaktere sind hier stellvertretende Repräsentanten für die zwei Welten. Aria ist eine Siedlerin und ihr Leben wird beherrscht von der Illusion, von dem Verstecken vor der Realität. Ist sie zu Beginn des Buches sehr naiv und ohne Willen, so ändert dies sich Kapitel um Kapitel, welches sie mit Perry verbingt. Denn er bewegt etwas in ihr. Dadurch das man durch die Kapitel, die aus ihrer Sicht beschrieben sind, einen guten Einblick in ihr Innerstes bekommt, fühlt man mit ihr und kann nicht anders, als sie sofort in sein Herz zu schließen. Doch auch Perry löst diese Gefühle im Leser aus. Mich hat besonders er, magisch angezogen. Man kann sogar sagen, dass Perry mein Lieblingscharakter ist. Wird er nach Außen als sehr hart, ruppig und kantig beschrieben, so erkennt man doch schnell, dass er auch eine andere Seite hat, die man schnell zu lieben lernt. Beide Charakter zusammen, schaffen hier ein ausgewogenes Duo, mit dem man sich gerne in ein spannendes Abenteuer begibt. Doch nicht nur Aria und Perry spielen eine Rolle. Zusätzlich lernt man auch viele Nebencharaktere kennen welche, gut umrissen, einfach perfekt in die Geschichte passen und die man auch in den Folgebänden nicht missen möchte.

Cover/Innengestaltung:
Das deutsche Cover gefällt mir an dieser Stelle leider nicht sehr gut. Ich finde es sagt nichts über die Geschichte aus und lässt auch keine Spannung aufkommen. Zudem finde ich es komisch, dass erst einmal nur eine Person abgebildet ist, die hier wahrscheinlich Aria sein soll, obwohl das Buch aus zwei Sichten erzählt wird und demnach auch Perry zu finden sein sollte. Zum Anderen ist das Mädchen auch noch sehr unpassend. Denn Aria hat schwarze Haare und das Mädchen wohl eher helle. Man hätte sehr viel aus der Idee der Autorin machen können, rein Covertechnisch. Schade, dass hier von Oetinger einige Chancen verspielt wurden. 
Die Innengestaltung ist wie das Titelbild sehr schlicht. Einzig die Kapitel werden durch den Namen des erzählenden Charakters eingeleitet.

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Weitere Cover:

Am Besten finde ich das spanische Cover, wie auch das dritte Bild, denn bezogen auf den Inhalt passen sie am Besten zu der Geschichte. Hier wird deutich, dass zwei Personen zentrale Rollen einnehmen und sie den Weg gemeinsam gehen. Beim dritten Bild wird sogar der Kontrast der beiden Figuren deutlich. Perry hat etwas dunkelere Haut, Aria helle. 


Wer auf der Suche nach einer spannenden Dystopie ist, in welcher man auf eine erfrischende und mitreißende Grundidee stößt, der ist bei "Gebannt: Unter fremdem Himmel" von Veronica Rossi, durchaus an der richtigen Adresse. Interessante, herzliche und liebevolle Charaktere begleiten einen durch knapp 400, sehr lesenswerte Seiten. An einigen Stellen wurde "Gebannt", mit den "Panem"-Büchern verglichen. Ich gebe euch allen mit auf den Weg: lasst euch nicht beeinflussen, startet einfach frei von irgendwelchen Erwartungen, mit Aria und Perry, auf diese abenteuerliche Reise, voller Gefahren, Wendungen und Überraschungen. Denn nur wenn ihr euch ganz frei macht, dann werdet auch ihr "gebannt". Ich freue mich auf jedenfall auf den zweiten Band, der vorraussichtlich im Frühjahr 2013, erscheinen wird. Denn zu Ende bleiben viele Fragen offen. Auch wenn der erste Teil, einer Trilogie, von Veronica Rossi, gleichviel Stärken, wie auch Schwächen hat, so wurde ich doch überzeugt und mitgerissen. In meinen Augen also durchaus eine lesenswerte und zu entdeckende Geschichte.

 Das Buch in Worten:
Spannend, mitreißend, überraschend






Veronica Rossi, in Rio de Janeiro/Brasilien geboren, zog in ihrer Kindheit oft um und lebte in Mexiko, Venezuela, an der Ostküste der USA und schließlich in Kalifornien. Hier besuchte sie die Universität und studierte Schöne Künste am Californian College of the Arts in San Francisco. Heute lebt sie mit ihrer Familie im Norden Kaliforniens und arbeitet als freie Autorin. Sie schreibt vor allem futuristische Romane für junge Erwachsene. Erste Ehren erwarb sie mit bisher unveröffentlichten Manuskripten auf amerikanischen Autoren-Wettbewerben, wo sie in der Kategorie Fantasy und Science Fiction auf den vordersten Plätzen rangierte. GEBANNT - UNTER FREMDEM HIMMEL, eine Liebesgeschichte in postapokalyptischen Zeiten, ist ihre erste Buchveröffentlichung und der erste Teil einer Trilogie. 
[Quelle: Oetinger]



Seite der Autorin:



Trailer:



Produktionsinformationen:

Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Oetinger (März 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 378914620X
ISBN-13: 978-3789146206
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
Originaltitel: Under the Never Sky
Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 16 x 4,4 cm 
Genre: Jugendbuch, Dystopie
Band einer Reihe? Ja - Trilogie

  1. Band: "Gebannt: Unter fremdem Himmel"
  2. Band: "Getrieben: Durch ewige Nacht" [Erscheint: März ´13]
  3.  Band: "Geborgen: In unendlicher Weite" [Erscheint: März ´14]



Alles Liebe!
Eure Jenny

Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken...

7 Wortgeflüster

  1. Ich freue mich, mal eine positive Stimme zu dem Buch zu finden:-) Bisher habe ich eher negative Meinungen dazu gehört und war schon ziemlich verunsichert, obwohl ich es eigentlich zuerst unbedingt lesen wollte. So, wie du den Roman beschreibst, sind meine Bedenken jetzt aber ordentlich geschrumpft :-)
    Das deutsche Cover finde ich leider auch nicht schön, mir gefällt das dritte definitiv am besten.

    LG

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  2. schöne Rezi... auch mir sind bisher eher negative Rezis unter gekommen... würde es aber dennoch gerne mal selber lesen... deine Meinung hat mich darin bestärken können :)))

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  3. Ich glaube, ich bin eine der wenigen, die das deutsche Cover sogar am besten findet. Aber gut, Geschmäcker unterscheiden sich ^_^
    Auf jeden Fall eine sehr tolle Rezension. Er macht mir definitiv Lust auf diese Geschichte, wenngleich es eine weitere Dystopie auf dem Buchmarkt ist. Aber besonders diese "Smarteye"-Idee lockt mich und auch, dass es sich um die Natur und deren Katastrophen dreht.
    Ich hab noch einige Dystopien auf dem SuB - wenn ich die gelesen habe und Lust auf eine neue bekomme, dann werde ich mich sicherlich mal nach "Gebannt" umschauen.
    LG

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  4. Freut mich, dass ich euch überzeugen konnte :)

    Wie gesagt, einfach selbst lesen und ohne Vorurteile in das Abenteuer schlittern. Freu mich auf eure Meinungen :)

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  5. Ah, noch jemand, dem das Buch gefällt ;) Obwohl ich anfangs dachte, es würde mir nicht gefallen. Aber kaum waren die ersten 100 Seiten vorüber, ging es erst richtig los. Ich bin froh, es gelesen zu haben und freu mich schon wahnsinnig auf den 2. Teil ;)

    Ich muss gestehen, mir gefällt das deutsche Cover noch am besten. Ich geb dir recht, dass das Mädel unpassend ist mit den hellen Haaren, aber ansonsten sprechen mich die anderen Cover eher weniger an.
    Auf dem deutschen sind die Ätherstürme abgebildet, mit die Hauptgefahr dieser ganzen Welt, in der Perry und Aria leben ^^

    Aber schöne Rezension ;)

    Liebe Grüße
    feane

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  6. dieses Buch möchte ich mir als nächstes Kaufen. Super Rezi ;)

    Ich bin soeben neuer Leser deines Blogs geworden und würde mich natürlich auch darüber freuen wenn du mal einen Blick auf meinen Blog werfen würdest ;)

    ganz liebe grüße Nicole

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  7. ich hab das buch vor ca. 1 stunde fertig. Ich finds super! Es lässt sich super leicht lesen - ich habs in 2 1/2 tagen geschafft -- kein scherz!am anfang ist es leider ein wenig unverständlich wegen den neuen begriffen, dingen, traditionen. :D Ich mag deinen Blog der is super du hast also mit mir einen neuen leser gewonnen;)

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