Rezension: "Lying Game: Und raus bist du" - Sara Shepard

3/27/2012 08:25:00 nachm.



Die Gestalt gab sie nicht frei, sondern presste ihren warmen Körper dicht an sie. "Mach bloß keinen Mucks", sagte eine Stimme an ihrem Ohr. Sie war heiser und undeutlich, ein bloßes Flüstern. "Was hast du dir dabei gedacht? Ich habe dir gesagt, du sollst mitspielen. Ich habe dir gesagt, du sollst hierbleiben." Emma versuchte, den Kopf zu drehen und zu erkennen, wer da hinter ihr stand, aber die Gestalt schubste sie nach vorne und drückte ihre Wange auf die Kochinsel. "Sutton ist tot", sagte die Stimme unbarmherzig. "Spiel deine Rolle weiter, bis ich dir etwas anderes sage. Und versuch bloß nicht noch mal, die Stadt zu verlassen, sonst bist du dran."








Erster Satz:
Ich wache in einer schmutzigen Badewanne mit Löwenfüßen auf, die in einem mir unbekannten Badezimmer stand.


Emma hat wahrlich nicht das einfachste und beste Leben, das man sich vorstellen kann. Von ihrer Mutter, als Kind verlassen, musste sie von Heim zu Heim, von Pflegefamilie zu Pflegefamilie. So lernte Emma schnell, was es heißt sich anzupassen. Denn nur wenn sie sich unauffällig verhält, kann sie die Zeit bis zu ihrerm 18. Geburtstag, an dem sie endlich auf eigenen Beinen stehen darf, überstehen.
Doch dann kommt alles anders als erwartet. Bei einer Auseinandersetzung mit ihrer neuen Pflegemutter und dessen (Pflege)sohn taucht plötzlich ein Video auf. In dem Kurzclip sieht man ein Mädchen, das Emma bis aufs Haar gleicht. Grausam und brutal wird sie vor den Augen aller Zuschauer erdrosselt. Kurz darauf schmeißt ihre Pflegemutter Emma aus der Wohnung, denn sie ist beängstigt von dem, was sie gesehen hat...

Ohne eine Ahnung wo ihr Weg sie als nächstes hintreiben wird, stellt Emma Nachforschungen an, denn das Mädchen aus dem Video geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Und tatsächlich, bald schon wird sie fündig: Auf Facebook entdeckt sie das Profil einer gewissen "Sutton Mercer". Kurz entschlossen schickt sie ihr eine Nachricht, in welcher sie ihr mitteilt, dass sie wahrscheinlich Zwillinge sind. Nichts ahnend welch schreckliche und schockierende Welt auf sie wartet und in welches gefährliche Abenteuer sie sich stürzt, willigt Emma ein, sich mit Sutton zu treffen. Doch am Treffpunkt angekommen, ist von ihrer vermeindlichen Zwillingsschwester keine Spur. Stattdessen tauchen Suttons Freunde auf die in Emma, ihre Freundin Sutton, erkennen. Zunächst will das junge Mädchen den Irrtum aufklären, doch dann erhält sie eine erschreckende Nachricht: "Sutton ist tot. Sag es niemandem. Spiel weiter mit... Oder du bist als Nächstes dran."

Für Emma beginnt damit ein neues Leben. Denn Sutton hat alles, was man sich nur wünschen kann: Geld, den Beliebtheitsstatus schlechthin, einen attraktiven Freund und viele Geheimnisse. Es beginnt ein rasantes Lügenspiel, voller Intrigen, Hass und Neid. 


Idee/Umsetzung:
Ich war schon immer ein großer Fan von Zwillingen. Als Kind habe ich mir oft gewünscht, dass ich eine Zwillingsschwester hätte. Denn spätestens seit "Hanni und Nanni", sowie "Ein Zwilling kommt selten allein", stellte ich mir das unglaublich spannend und lustig vor. Eine beste Freundin mit der man alles teilen kann, mit der man Zeit verbringt, mit der man magisch verbunden ist. Deshalb war es also kein Wunder, dass ich mir "Lying Game" kaufen musste. Schon der Titel und das Cover haben mich magisch angezogen und spätestens als ich den Klappentext las, war es um mich geschehen. Also nahm ich es mit. Die Hoffnung auf eine tolle Geschichte war groß, aber die Versprechungen auf dem Klappentext waren es schließlich auch. So schrieb "BOOKLIST": >> Eine nervenaufreibende Achterbahnfahrt, voller Tempo und Spannung.>> Doch leider war es viel weniger als das. Die Geschichte um die Zwillingsschwestern Emma und Sutton, ließ mich unzufrieden und enttäuscht zurück. Meine kurze Lesereise glich eher einer Fahrt mit der "Bimmelbahn", als einer rasanten Fahrt mit der Achtenbahn. Dabei war, und ist die Idee der Autorin gar nicht schlecht, sondern hat durchaus einiges an Potential. Lediglich an der Umsetzung scheitert Sara Shepard dann. Ehrlich gesagt hatte ich nach den ganzen Leser-& Pressestimmen gedacht, ich würde einen spannenden Thriller in der Hand halten, doch irgendwie kam während des ganzen Lesens, fast gar keine Spannung oder Gefühl für die Handlung auf. Viele Kapitel bleiben eher flach und unbedeutend und sagen wenig, bis gar nichts aus. Weder über die Hauptprotagonistin, noch über das angebliche "Verbrechen". Das Leben der Zwillinge bleibt weitgehend unbeleuchtet. Zwar kratzt die Autorin oft an der Oberfläche, doch trotzdem plätschert die Geschichte eher dahin. Entscheidungen, Handlungen und Denkanstöße, bleiben nicht nur einmal für ihre Leser unverständlich. Zusätzlich sind viele Kapitel und Abläufe vorhersehbar, was weiterhin die Spannung des Lesers abbaut. So konnte mir lediglich eine Stelle wirklich Gänsehaut bescheren und mich zum Weiterlesen antreiben. Die restlichen Kapitel waren zwar nicht schlecht, konnten mein Interesse jedoch nicht wirklich einfangen, was dazu führt, dass mir selbst jetzt noch die Worte fehlen. Ich kann zwar im Nachhinein sagen, dass ich die Idee und die Umsetzung von Sara Shepard ganz "nett" fand, jedoch hat die Autorin es nicht geschafft, einen prägenden Eindruck zu hinterlassen. Was ich eigentlich sehr schade finde, denn ich habe mich wirklich auf dieses Buch gefreut und dachte, dass es eine lockere Lektüre ist: spannend aber doch leicht und sommerlich. Leider war das Buch dann, in dieser Hinsicht nur Mittelmaß.

Schreibstil:
Auch der Schreibstil der Autorin, bildet in meinen Augen zwar ein angenehmes Niveau, kann dann aber an einigen Stellen nicht ganz überzeugen. Sara Shepard erzählt leicht, fließend und mit vielen umgangssprachlichen Elementen, die Geschichte rund umd Emma und Sutton. Dabei wird Emmas Handeln aus einer Außensicht präsentiert. Ab und an werden dann auch einzelne Passagen von Sutton eingeschoben, die durch eine Innensicht, ihre Gefühle preis gibt. Sutton begleitet Emma das ganze Buch lang als Geist. Sie sieht und hört, was Emma sieht und hört und kommentiert ab und an die Handlungen iherer Schwester, die vor ihren Augen "ihr" Leben lebt. Jedoch erinnert sich Sutton kaum noch an "besagtes" Leben.  In dieser Hinsicht hat sie fast ihre komplette Erinnerung verloren. Nur ab und an wird einmal ein Kapitel eingeschoben, welches aus ihrer Sicht von der Vergangenheit berichtet, von Details, an die sie sich nach und nach wieder erinnert. Ich konnte mich mit Sutton in der Geschichte leider nicht anfreunden. Mir hat es irgendwie nicht gefallen, dass sie die ganze Geschichte als "Geist" verfolgen muss. Bisher sehe ich wenig Sinn darin, was sich eventuell noch in den Folgebänden ergibt. Die Absätze, wenn Sutton etwas aus ihrer Sicht darlegt und wenn Emma beschrieben wird, sind leider nicht sehr deutlich z.B. durch eine Leerzeile, voneinander getrennt. Deshalb ist es mir am Anfang schwer gefallen in die Geschichte zu finden. Ich wusste zunächst nichts damit anzufangen und erst nach dem dritten Kapitel habe ich den wüsten und verwirrenden Anfang des Buches erfasst und begriffen. Die Art des Erzähelns hat mir demnach nicht besonders zugesagt. Trotzdem konnte ich das Buch gut, in einem Rutsch weg lesen. Besonders an den spannenden Stellen erkennt man dann auch das Potential der Autorin, ihre Leser zu bannen. Auch wenn sie davon eher weniger Gebrauch macht, kann ich mir vorstellen, dass wenn Sara Shepard ihren Fokus etwas verlagert in den Folgebänden, durchaus ein sehr guter Thriller enstehen kann. Wie gesgat, Schreibpotential ist vorhanden. Anders hätte ich wohl auch nicht weitergelesen. Aber das Lesen war angenehm, gerade weil sich alles so gut und flott "weg"lesen ließ. Alles in allem, wiegen sich beim Schreibstil, Schwächen und Stärken gegeneinander auf und erschaffen auch hier eine solide Leistung, die ihre Leser zwar nicht in Euphorie stürzt, aber auch nicht gelangweilt zurücklässt.

Charakter:
Wie schon erwähnt, bleiben leider sehr viele Charakter hinter der Oberfläche zurück. Es werden dem Leser zwar immer kleine Häppchen hingeworfen, doch am Ende hat man das Gefühl, dass man nicht mehr weiß, als auch am Anfang. Selbst die beiden Hauptfiguren bleiben weitesgehend undurchsichtig. Dies erschwert es dem Leser oft, gewisse Gedanken und Handlungen nachzuvollziehen. Ich hätte gerne mehr über Emma erfahren - denn sie bleibt besonders auf der Strecke. Man erfährt sehr wenig aus ihrem Leben, außer ein paar kleine Details wie zum Beispiel, dass sie aus schlechten Verhältnissen kommt und schon einges erlebt hat. Doch ihre wesentlichen Charakterzüge verlieren sich hinter den Seiten. Nach dem Lesen des Buches hatte ich nicht das Gefühl, dass ich irgendeinen Bezug zu den Figuren aufbauen konnte. Besonders auch bei allen Nebencharakteren im Umfeld von Emma, konnte ich mich nicht damit anfreunden, dass sie in groben Zügen nur angerissen werden, man aber keine tieferen Einblicke bekommt. Zwar ist "Lying Game", der Auftakt einer neuen Serie, doch trotzdem finde ich hätte man gewisse Figuren besser zum Leben erwecken können. Schließlich macht gerade dies doch die Authenzität einer Geschichte aus. Wenn man kein Gefühl zur Handlung und den Charaktern aufbauen kann, bleibt auch nichts in Erinnerung, weil einen nichts berührt hat und einen das Schicksal der Figuren auch nichts interessiert.

Cover/Innengestaltung:
Die Innengestaltung ist schlicht und einfach gehalten. Wobei ich die Überschriften der einzelnen Kapitel sehr interessant und passend finde. Ansonsten wechseln die einzelnen Teile zwischen dem "aktuellen" Handlungsort und der Vergangenheit von Sutton. 
Das Cover des Buches wurde von der englischen Ausgabe übernommen und ich finde es auch sehr gelungen und schön. Irgendwie macht es einen neugierig und ist direkt ein Blickfang.





Es gibt diese Bücher, die dich sofort mitten ins Herz treffen und nie wieder loslassen - und es gibt jenne Bücher, die nach einigen Tagen, Wochen, Monaten, im schwarzen Loch der Vergessenheit verloren gehen. Was nicht heißt, dass es sich dabei unweigerlich um schlechte Bücher handelt. Aber manchmal schafft es ein Buch einfach nicht einen Eindruck zu hinterlassen. "Lying Game" ist meiner Meinung nach eines dieser Bücher. Weder die Handlung, noch die Umsetzung oder gar die Figuren konnten mich berühren oder haben eine Spur in meinen Gedanken hinterlassen. Zwar habe ich das Potential beim Schreibstil von Sara Shepard und auch die interessante Idee erkannt, sowie gemocht, doch alles in allem wiegen sich positive und negative Aspekte auf und so ist die Geschichte in meinen Augen nur gutes Mittelmaß. Trotzdem empfehle ich euch das Buch, denn ich finde ihr solltet euch bei diesem Werk selbst eine Meinung bilden. Vielleicht hab ich, besonders was die Spannung betrifft, zu hohe Ansprüche. Ich werde trotz allem, auf den zweiten Band warten und ihm und der Autorin eine neue Chance geben. Denn ich hoffe darauf, dass im zweiten Teil die ganze Sache ein wenig ins Rollen kommt...

Das Buch in Worten:
zäh, interessant, seicht





Sara Shepard hat an der New York University studiert und am Brooklyn College ihren Magisterabschluss im Fach Kreatives Schreiben gemacht. Sie wuchs in einem Vorort von Philadelphia auf, wo sie auch heute lebt. Ihre Zeit dort hat die „Pretty Little Liars“-Serie inspiriert, die in 22 Länder verkauft wurde und die, ebenso wie ihre neue Reihe "Lying Game", zum New York Times Bestseller wurde. Inzwischen werden "Pretty Little Liars" und "Lying Game" mit großem Erfolg als TV-Serien bei ABC ausgestrahlt. 

[Quelle: cbt]




Seite der Autorin:





Broschiert: 320 Seiten
Verlag: cbt (12. März 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570308006
ISBN-13: 978-3570308004
Originaltitel: The Lying Game 1
Größe und/oder Gewicht: 18,2 x 12,8 x 3 cm 
Vom mir, empfohlenes Alter: ab 14 
Genre: Jugendbuch, Jugendthriller
Band einer Reihe? Ja - Serie/Reihe [Erster Band]

Weitere Bände der Reihe:
[Bisher nur auf englisch erschienen!]

[Von Links nach Rechts: Band Nr. 2, " Nr. 3, " Nr. 4]


Alles Liebe! 
Eure Jenny

Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken...

4 Wortgeflüster

  1. Interessant auch mal etwas weniger Gutes über das Buch zu lesen. Mir kommt es nämlich so vor, als hätte ich bisher nur Lobeshymnen darüber gelesen - doch irgendwie hört sich der Inhalt für mich trotzdem eher nach Mittelmaß an. Schade, dass du das bestätigen kannst.
    Trotzdem aber eine gut gelungene Rezension! Hoffentlich kann dir der zweite Band mehr zusagen...

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    1. Danke :-)

      Ich habe auch gelesen, dass viele dieses Buch sehr gelobt haben. Habe ich hinter her nicht ganz verstanden. Aber Naja... Bin mal gespannt auf den 2. Band.

      Liebe Grüße!
      Jenny

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  2. Gibt es bald einen 2. Band auf deutsch bzw. wann ist dieser in den deutschen Bücherfilialen erhältlich?

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  3. Ich kann dir da leider nicht so sehr zustimmen, Das Buch hat mich wirklich gefesselt und warte schon sehnsüchtig auf den 3.Teil der Buchreihe. Doch natürlich ist jeder Geschmack anders, deine Inhaltsangabe zu diesem Buch finde ich sehr cool :)

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