Rezension: "Tintenherz" - Cornelia Funke

6/11/2012 05:22:00 nachm.


"Wenn du ein Buch auf eine Reise mitnimmst", hatte Mo gesagt, als er ihr das erste in die Kiste gelegt hatte, "dann geschieht etwas Seltsames: Das Buch wird anfangen, deine Erinnerungen zu sammeln. Du wirst es später nur aufschlagen müssen und schon wirst du wieder dort sein, wo du zuerst darin gelesen hast. Schon mit den ersten Wörtern wird alles zurückkommen: Die Bilder, die Gerüche, das Eis, das du beim Lesen gegessen hast... Glaub mir, Bücher sind wie Fliegenpapier. An nichts haften Erinnerungen so gut, wie an bedruckten Seiten."



Erster Satz:
Es fiel Regen in jener Nacht, ein feiner, wispernder Regen.

Meggie ist 12 Jahre alt und lebt zusammen mit ihrem Vater Mo, auf einem alten Hof. Hier ist die Welt in Ordnung, hier ist die Welt rund, denn hier ist Meggie glücklich. Ihr Vater arbeitet, wie Meggie ihn immer sehr liebevoll beschreibt, als "Bücherarzt". Er schenkt den Büchern, wenn ihr Umschlag vergriffen, oder die Seiten sich gelöst haben, ein neues, markelloses Aussehen. Dabei restauriert er mit Leib und Seele, denn Geschichten und Bücher sind seine und Meggies Leidenschaft. So ist ihr kleines, bescheidenes Heim, bis Oben hin, mit Geschichten und Abenteuern gefüllt. 
Doch diese heile Welt gerät ins Wanken, als eines Nachts, ein Unbekannter vor dem Fenster des Mädchens auftaucht. Auf einmal hat ihr Vater Geheimnisse vor Meggie und flüstert mit dem Unbekannten, den Mo nur "Staubfinger" nennt, hinter verschlossenen Türen. Namen wie Capricorn, Basta und Tintenherz füllen den Raum und versetzen Mo in Schrecken.
Doch was hat es mit diesen Namen auf sich? Und wer ist der Unbekannte, Staubfinger? Schon bad merkt Meggie, dass sich hinter den Geheimnissen ihres Vaters, eine eine ganze Welt verbirgt, bereit von ihr entdeckt zu werden...

Es beginnt eine rasante, magische und faszinierende Geschichte, in welcher ein kleines Buch, nur der Grundstein für ein noch größeres Abenteuer ist.


Idee/ Umsetzung:
Manchmal verspricht eine Geschichten die größten Abenteuer, indem es dir leise und verheißungsvoll aus deinem Bücherregal zuraunt. Tintenherz ist eines dieser Bücher. Wenn man ganz leise ist und in die tiefe Dunkelheit seines Zimmers lauscht, dann kann man es flüstern hören.
So hörte auch ich es, eines Nachts, leise und verschwörerisch flüstern. Es erzählte mir von einer großen Geschichte, einer atemberaubenden Reise und versprach mir Magie - also zog ich es aus meinem Regal und begann, voller Neugierde, zu lesen. Doch was mich am Ende erwartete, war viel mehr, als ich mir jemals erträumt hätte. Denn Tintenherz streckte seine Finger nach mir aus und zog mich, mit Haut und Haar, zwischen seine Seiten. Es gibt nur sehr, sehr wenige Bücher, die das Leserherz berühren und fesseln können, doch dieses Werk darf sich durchaus mit dieser Beschreibung schmücken. Selbst nach der letzten Seite, blieben meine Gedanken in der Geschichte zurück und fanden erst nach einiger Zeit zurück in die Realität. Cornelia Funke ist hier ein meisterliches Werk gelungen, welches vor allem durch eine märchenhafte und originelle Idee das Leserherz für sich gewinnen kann. Umsetzung und Grundidee wandern Hand in Hand und machen diese Lesereise zu einem ganz besonderen Spaß.

Schreibstil:
Es wäre wohl weit untertrieben, wenn man behaupten würde, dass der Schreibstil von Cornelia Funke, sehr gelungen sei. Denn er ist weitaus mehr als das. Genau wie die Idee und in Abstimmung mit der Aufmachung des Buches, schreibt die Autorin einfach märchenhaft. Sanft, spannend, mitreißend, mitfühlend, emotional, aufwühlend und einzigartig, wären gelunge Wörter um den Schreibstil in ihrer Geschichte zu charakterisieren. Dabei holt einen jedes Wort, jeder noch so kleine Buchstabe in der Realität ab und lockt einen tief in die Buchwelt. Schauplätze bauen sich direkt vor den Augen des Lesers auf und Charaktere werden nahezu greifbar. Man findet sich nicht nur zwischen den Seiten, sondern in der Welt von Tintenherz wieder und ist quasie mittendrin, in dieser spannenden und abenteuerlichen Reise. Es liegt vorallem an dem Schreibstil von Cornelia Funke, dass der Leser sich ganz fallen lassen und die Geschichte genießen kann. 

Charaktere:
Wie schon beim "Schreibstil" angesprochen, werden die Figuren vor den Augen des Lesers zur Realität und greifbar. Emotionen springen auf den eigenen Körper über, man liebt, leidet und fürchtet sich mit den Figuren - man ist immer dabei. Dies verleiht jeder Figur, jedem Wesen, eine enorme Authenzität. Zudem ist für jeden Leser ein passender Charakter dabei, den er auf seine eigene Weise ins Herz schließen kann. Eine große Facette an unterschiedlichen Figuren, die der Handlung immer wieder einen eigenen Schubs verleihen, ermöglichen einen ganz neuen, aufregenden Lesespaß. So haben es mir, vorallem der Feuerspucker: Staubfinger, die Büchernärrin: Elinor und die kleine, mutige und tapfere Meggie angetan. Doch nicht nur die "guten" Charaktere überzeugen auf voller Linie, auch die Bösewichte können ihren Platz in der Geschichte verteidigen, denn sie sind wahrlich vorbildliche Bücher-Bösewichte. Sie sind grausam, gemein und ohne Skrupel. Es ist eigentlich seltsam, aber auch hier hat es mir ein Bösewicht besonders angetan: Der abergläubische Basta. Als Bösewicht, mit kleinen Schwächen, war er mir dann doch irgendwie sympathisch. 
Demnach sind die Figuren in Tintenherz, alle sehr überzeugend und helfen, dieses Buch zu etwas Besonderem zu machen.

Cover/ Innengestaltung:
Die Innengestaltung in der Geschichte ist sehr stimmig mit dem Cover, dem Titel und dem Inhalt. Sprich: Sie passt perfekt. Jedes Kapitel wird durch eine Überschrift und ein Zitat eingeleitet, welches immer zum jeweiligen Kapitel passt. Zudem sind einige Abschnitte auch mit Zeichnungen verziert. Aber seht selbst:

[Größeres Bild? "anklicken"
Es gibt eine große und facettenreiche Palette an Covern, für diese magische Geschichte. Dies ist wohl auch nicht verwunderlich, denn das Werk wurde in sehr viele Sprachen übersetzt. Dabei muss ich diesmal gestehen, dass mir die deutsche Ausgabe mit am Besten gefällt. Sie ist genau wie der Inhalt, verträumt und märchenhaft, demnach: einfach passend. Doch noch zwei andere Versionen, konnten mein Herz für sich gewinnen, nämlich die zwei, oberen, englsichen Ausgaben. Besonders die "verschnörkelte" Geschenkausgabe ist einfach wunderschön. Und dann gibt es noch folgende Cover: 

         [Wenn du mit der Maus über die Bilder fährst, siehst du die Ausgabe]

Es gibt nicht viele Bücher, die dir nachts zuflüstern und dir mitreißende Abenteuer versprechen, doch Tintenherz ist eines dieser Werke. Zwischen jeder Seite steckt ein Stück Magie. Wenn du also bereit bist, für eine Reise, die auch dein "Tintenherz" zum Schlagen bringen soll, dann bist du hier genau richtig. Mit viel Authenzität, facettenreichen Figuren und einem märchenhaften Schreibstil, lockt die Autorin ihre Leser zwischen die Seiten, hinter die Buchstaben und in die Geschichte. Schnell findet sich der Leser in einem starken Sog wieder, aus welchem er sich selbst nach der letzten Seite noch nicht befreien kann. Tintenherz hinterlässt nach dem Lesen, einen süßlichlichen Geschmack auf der Zunge, der einen nach Mehr verlangen lässt. Jeder der einen Tropfen voll Tintenblut aus diesem Buch kostet, der wird wohl genau wie ich, nie wieder satt werden. Deshalb lausche, horche und achte auf das Flüstern aus deinem Regal, wenn dich ein Buch auf sich aufmerksam machen will und dir Abenteuer verspricht. Denn nur die größten Schätze und die überzeugendsten Abenteuer, vermögen in der Nacht zu wispern.

Das Buch in Worten:
märchenhaft, verzaubernd, mitreißend, überzeugend




Mit dem Schreiben fing Cornelia Funke an, als sie 35 war. Zuvor hatte die heute weltbekannte Autorin Pädagogik studiert und anschließend, neben der beruflichen Tätigkeit auf einem Hamburger Bauspielplatz, Buchillustration an einer Kunstfachhochschule studiert. Als Cornelia Funke dann als Kinderbuchillustratorin arbeitete, gefielen ihr die Texte vieler Bücher nicht, die sie bebildern sollte. Ihr Ehrgeiz war geweckt: Sie begann selbst mit dem Schreiben. Inzwischen sind ihre Bücher in mehr als 35 Sprachen übersetzt, einige von ihnen wurden verfilmt oder für die Theaterbühne adaptiert. Absolute Bestseller sind die Bände der "Tintenwelt-Trilogie". Sie werden übrigens nicht nur von Kindern und Jugendlichen verschlungen, sondern haben auch Hunderttausende erwachsene Fans gefunden.
[Quelle: Amazon]

Seite der Autorin:


Trailer zum FILM:



Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
Verlag: Dressler; Auflage: 23 (August 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3791504657
ISBN-13: 978-3791504650
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 11 - 13 Jahre
Größe und/oder Gewicht: 21 x 15,8 x 4 cm 
Meine Altersempfehlung: Ab 12 Jahren
Genre: Märchen, Kinderbuch, Fantasy
Band einer Reihe? - 1. Band einer Trilogie




Die Tintenwelt - Trilogie:




Eure Jenny

Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken...

7 Wortgeflüster

  1. Uff, wie lange es schon wieder her ist, seit ich die Bücher gelesen habe :) Ich war damals so ein riesen Fan von Cornelia Funke und nach Büchern wie Die wilden Hühner und so, war Tintenherz wohl das erste Buch, das...wie soll ich sagen...für ältere (?) geschrieben wurde, das ich gelesen habe :D Also spielt es eigentlich ne große Rolle in meinem Leseleben xD

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  3. Wieder´mal eine klasse Rezension:D Hätte ich nur die Geduld so sorgfältig alles zudokumentieren und für andere ins internet zustellen:D ach und -> Wundervoller Header etc. das neue Bild ist klasse:D

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  4. Bin gerade erst auf deinen Blog gestoßen und durfte darauf gleich Tintenherz entdecken :) Herrliches Buch und in deiner Rezension gut eingefangen!

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  5. Find ich echt toll, dass du die Cover der einzelnen Länder einmal zeigst. Wirklich interessant :)

    Liebe Grüße!

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  6. Huhu, ich hoffe, du hast nichts dagegen, dass ich deine Rezension auf meinem Blog verlinkt habe. Du kannst dir das HIER anschauen.

    Alles Liebe, Nelly

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