Rezension: "Düsteres Verlangen - Die wahre Geschichte des jungen Victor Frankenstein" - Kenneth Oppel

7/20/2012 02:06:00 nachm.



"[...] Das Ganze ist bisher nicht allzu einfach verlaufen, das bestreite ich ja auch gar nicht, doch genau das war doch so großartig daran, weil es so voller Gefahren und Schrecken war. Immer wieder wurden unsere Kraft geprüft und unser Mut herausgefordert. Und das alles haben wir nicht für uns getan, sondern für einen anderen. Und das ist es, was es so ehrenwert macht."

[S. 295]




Erster Satz:
Wir fanden das Ungeheuer auf einer Felsplatte hoch über dem See.


Victor und Konrad könnten unterschiedlicher nicht sein und doch verbindet sie ein starkes Band der Brüderlichkeit, denn die Beiden, 16-jährigen Jungen, sind Zwillinge. Beide lieben den Anderen und würden ihr Leben für ihn geben. 
Doch dann kommt der Sommer, der alles verändert. Auf einmal droht das Band von Victor und Konrad  zu zerreißen, denn Beide begehren, nach einer langen gemeinsamen Kindheit, ihre Cousine Elizabeth. Doch das junge Mädchen kann nur die Gefühle eines Bruders erwiedern und zwar die des, allseits beliebten Konrads.
Doch als dieser von einer tödlichen und unheilbaren Krankheit niedergestreckt wird, siegt das Band der Brüderlichkeit und Victor fasst einen Plan: Zusammen mit Elizabeth und ihrem gemeinsamen Freund Henry macht er sich auf und erlebt das unglaublichste Abenteuer seines Lebens. Heimlich und voll von Mut, suchen die drei Freunde ein magisches, verbotenes Heilmittel und geraten dabei selbst in Lebensgefahr.





Idee/ Umsetzung:

Wenn du die Chance hättest das Leben eines gliebten Menschen zu retten, würdest du zugreifen, dich in Lebensgefahr begeben und mit Leib und Seele für die Heilung dieses Menschen kämpfen? Es ist immer leicht zu sagen, dass man diese Chance ergreifen und kämpfen würde, doch wie schwer es wirklich ist, zeigt dieses Buch. Denn neben einer unglaublichen Willenskraft, braucht man Mut, Hoffnung und Vertrauen. Den Mut, seinen Weg zu gehen, egal wie steinig er auch sein mag. Die Hoffnung, dass man ans Ziel kommt, egal mit wie vielen Wunden. Das Vertrauen, in die Freundschaft und Liebe. 
Die Idee, die sich lauernd und sehr gekonnt, hinter jeder Seite des Werkes von Kenneth Oppel versteckt, birgt nicht nur ein großers, spannendes Abenteuer, mit viel Potential, sondern auch einen großen Teil an Lebenswahrheiten. Denn das Leben ist nicht immer einfach und nicht immer verläuft unser Weg so, wie wir ihn geplant haben, aber das wichtige ist doch, dass man den Glauben an etwas nicht verliert. Ich meine hier nicht den Glauben an Gott, sondern den Glauben an das Leben. Den Glauben daran, dass man, wenn man mutig und stark genug ist, gegen die Schwierigkeiten ankämpfen und alle Hindernisse hinter sich lassen kann. Neben einer spannenden Suche nach dem ultimativen Heilmittel, verwebt Kenneth Oppel demnach, sehr reelle Faktoren, in das Gesamtbild. Er erzählt eine sehr lebendige und wahrhafte Geschichte über Freundschaft, Liebe, Familie, Neid, Eifersucht und Hass. Gerade diese Aspekte, haben der eigentlichen Handlung, in meinen Augen, ihre Kraft verliehen und mich positiv beeindruckt. 

Schreibstil:
Kenneth Oppel schreibt aus der Sicht von Victor, was dazu führt, dass der Leser seine Gefühle nachempfinden und seine Handlungen verstehen kann. Sehr gekonnt, schreibt der Autor die Gefühlswelt in die Herzen seiner Leser und schafft so eine ganz besondere Bindung zwischen Realität und Buchwelt. Der größte Teil des Abenteuers ist jedoch sehr durchschnittlich beschrieben. Ganz simpel und einfach, wird der Handlungsablauf in Buchstaben eingewickelt. Troztdem verleiht der Autor dem Gesantwerk das gewisse Etwas, indem er besonders in den spannenden Momenten temporeich und in den gefühlvollen Augenblicken leicht poetisch, die Geschichte um Vicotr, Elizabeth, Henry und Konrad erzählt.




Charaktere:
Von Seite zu Seite, hat sich ein enges Band der Verbundenheit, zwischen dem erzählenden Vicotor und mir offenbart. Denn von Gefühl zu Gefühl, wurde mir der, sehr impulsive und ehrgeizige Junge, zum Lieblingscharakter. Auch wenn sein Zwillingsbruder Konrad, in der Geschichte, der beliebtere der Beiden ist, so habe ich mich am Ende doch immer auf die Seite von Vicotr geschlagen. Wer von euch Geschwister hat, in dessen Schatten man, nicht nur einmal, hoffnungslos untergegangen ist, der wird genauso fühlen wie ich. Denn gerade die Unterschiede der beiden Geschwister, haben Victor zu dem Jungen gemacht, der er eben ist. Auch wenn er seinen Bruder über alles liebt, so geht er doch immer in dessen Schatten verloren. Als sich die Beiden 16-jährigen dann auch noch in das gleiche Mädchen verlieben, ist das Chaos perfekt.
Ich muss gestehen, dass mir oftmals das gewisse etwas in der Geschichte gefehlt hat, besonders auf den ersten Seiten. Später habe ich aber entdeckt, jenes gewisse Etwas, ist die große Sympathie, die ich zu dieser einen Buchfigur hege. Kenneth Oppel hat es geschafft, dass ich mich mit Haut und Haaren auf die Geschichte einlassen konnte, denn nur zu gerne, habe ich Victor die Hand gereicht um mich in dieses spannende Abenteuer entführen lassen. Dass der Autor es geschafft hat, dass ich so sehr mit einem Charakter fühlen und leiden kann, ist in meinen Augen, gerade das Besondere an diesem Werk.




Cover/ Innengestaltung:
Die Innengestaltung des Buches ist sehr schlicht, passt aber zur Gesamtaufmachung der Geschichte. Jedes Kapitel wird mit einer Kapitelnummer und einer Überschrift eingeleitet.
Auch das Buchcover ist sehr schlicht. Trotzdem finde ich es passend und gelungen. Mir gefällt es nämlich sehr gut, dass nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint, denn erst wenn man ganz genau hinsieht und sich mit dem Bild auseinandersetzt, dann erkennt man die feinen Einzelheiten des Gesamtcovers. 
Die englischen Versionen hingegen, finde ich nicht schlecht, aber besonders bei dem 1. englischen Cover, ist das männliche Model, welches wohl Victor darstellen soll, einfach zu muskulös geraten. Dadurch sieht er einfach zu männlich aus, obwohl er in der Geschichte gerade einmal ein 16-jähriger Junge ist. Die zweite, englische Version, finde ich schon besser. Gerade durch das Schlüsselloch und das "Geheime", wird der Charakter der Geschichte aufgefangen.








Wenn du die Chance hättest, das Leben eines geliebten Menschen zu retten, würdest du sie ergreifen? Wenn dich ein starkes Band der Verbundenheit, mit einem deiner Geschwister verbindet, du aber trotzdem immer in dessen Schatten untergehst, würde es den Hass in dir anstacheln? Oder würdest du die Wut begraben und für jenes Kämpfen, was du tief in dir doch liebst? Welches Band ist stärker, jenes der Begierde oder das der Familiebnliebe?
Fragen über Fragen und nur in diesem Werk wird man Antworten finden. Ich empfehle deshalb: Schnallt euch euren Rucksack auf den Rücken, packt eine ordentliche Ladung Mut, Hoffnung und Willenskraft ein und begebt euch mit Victor in dieses spannende und fantasiereiche Abenteuer. 
Denn Kenneth Oppel hat hier ein sehr unterhaltsames Buch geschaffen, welches besonders dadurch glänzt, dass es neben fantastischen Elementen, auch lebensnahe Themen in die Handlungen verwebt. Auch wenn ich einige Startschwierigkeiten hatte und das Ende des Buches sehr ernüchternd fand, so werde ich Victor im Auge behalten und freue mich schon jetzt auf den Folgeband. 

 Das Buch in Worten:
 spannend, abenteuerlich, gefühlvoll, lebensnah, anders












Kenneth Oppel wurde am 31. August 1967 in British Columbia geboren. Er studierte an der University of Toronto in Ontario und lebt heute mit seiner Frau Philippa Shepphard in Cornerbrook, Neufundland. Seine liebsten Freizeitbeschäftigungen: Lesen, Filme schauen, lange Spaziergänge und Reisen.
[Quelle: Beltz]




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