Rezension: "Der Schatten des Windes" - Carlos Ruiz Zafón

8/20/2012 12:59:00 nachm.

Einmal hörte ich einen Stammkunden in der Buchhandlung meines Vaters sagen, wenige Dinge prägten einen Leser so sehr, wie das erste Buch, das sich wirklich einen Weg zu seinem Herzen bahne. Diese ersten Seiten, das Echo dieser Worte, die wir zurückgelassen glauben, begleiten uns ein Leben lang und meißeln in unserer Erinnerung einen Palast, zu dem wir früher oder später zurückkehren werden, egal, wie viele Bücher wir lesen, wie viele Welten wir entdecken, wieviel wir lernen oder vergessen. Für mich werden diese verzauberten Seiten immer diejenigen sein, die ich auf den Gängen des Friedhofs der vergessenen Bücher fand.
[S. 13]







Erster Satz:
Ich erinnere mich noch genau an den Morgen, an dem mich mein Vater zum ersten Mal zum Friedhof der vergessenen Bücher mitnahm.


Der kleine Daniel, ahnt noch nicht, dass ein ganz bestimmter Morgen, und ein kleines, rotes Buch, mit goldenen Lettern, sein Leben für immer prägen werden. 
Der Morgen ist noch verhangen vom Nebel, Barcelona liegt verborgen im Schatten, als ihn sein Vater mitnimmt, zum Friefhof der vergessenen Bücher. Ein geheimer Ort, dessen Tradition es verlangt, dass man sich bei seinem ersten Besuch, eines seiner unzähligen Werke aussuchen darf. In diesem riesiegen Labyrinth, führt es den jungen Daniel zu einem ganz bestimmten Werk: "Der Schatten des Windes". Er nimmt es mit und verschlingt es, in nur einer Nacht. Wie verzaubert, will er mehr über den Autor erfahren und weitere Werke von ihm lesen. Doch schon bald muss Daniel feststellen, dass der Autor: Julián Carax, ein einziges, großes Misterium ist. Alle seine Werke scheinen verschwunden, sein Leben selbst, ein einziger, dunkler Schatten, dessen Geschichte man nicht herausfinden kann. Doch Daniel will nicht aufgeben, getrieben von Neugierde, die sich schon bald, in eine tiefe Leidenschaft verwandeln wird, macht er sich auf die Suche alle Geheimnisse um Carax zu ergründen und ahnt dabei nicht, dass er sich in Lebensgefahr begibt, denn nicht nur er,  ist auf der Suche nach ihm...

Es beginnt eine spannende Suche, nach der Wahrheit, nach der Liebe & nach dem Leben selbst...



Idee/ Umsetzung:
Kann ein Buch unser Leben verändern? Können Buchstaben, Wörter und Sätze, unsere Zukunft formen und uns auf einen ganz bestimmten Lebensweg führen? All diese Fragen, beantwortet "Der Schatten des Windes", auf eine sehr poetische, wahrhafte und unglaublich schöne Weise. Immer tiefer, zieht einen Carlos Ruiz Zafón in ein großes Geheimnis, ein spannendes Abenteuer, dessen Ende unter die Haut geht. Die unterschiedlichsten Genres, vermischen sich zu einem überzeugenden Gesamtwerk und bieten so eine große Palette an allen Gefühlen für den Leser - die man von einem guten Buch erwartet. Denn am Ende wollen wir berührt werden, etwas mitnehmen, wir wollen nicht nur dabei sein, sondern Mittendrin. Wir wollen ein Teil der Geschichte werden - und in diesem Werk können wir all dies! Schnell vermischen sich Realität und Fantasie zu einem rasanten Strudel, verwirren, begeistern und entführen. Eine Seite folgt auf die Andere und ehe man sich versieht, ist man durch knapp 600 Seiten gerauscht und weiß nicht mehr, wo die Zeit geblieben ist. Zafón überzeugt demnach nicht nur, durch eine einzigartige und facettenreiche Grundidee, sondern weiß auch genau, wie er sich der Macht der Buchstaben bedienen muss um auch das Leseerlebnis, unvergleichlich zu gestalten.

Schreibstil:
Schon bei anderen Werken des Autors, ist es mir sehr schwer gefallen, seinen Schreibstil zu beschreiben. Doch in "Der Schatten des Windes", scheint es unmöglicher denn je. Man hat, während des ganzen Werkes, nicht einmal das Gefühl, dass man wirklich zu hause, in seinem Lieblingssessel sitzt und diese Geschichte liest. Man fühlt sich eher, als würde man, neben Daniel, durch die einsamen und dunklen Straßen von Barcelona streifen, auf einer spannenden Suche nach Julián Carax. Carlos Ruiz Zafón, schafft es Buchstaben zur Realität werden zu lassen, dabei erscheinen seine Worte wie ein buntes, farbenfrohes Gemälde. Poetisch, spannend und doch unglaublich wahr und mitreißend, nimmt der Autor seine Leser, persönlich an die Hand und reißt sie förmlich hinter die Seiten. Damit sichert er sich nicht nur einen Platz unter meinen Lieblingsautoren, sondern kann sich auch ohne Umschweife, an die Spitze schlagen. Deshalb sage ich nur: Wer gemalte Sprache liebt, die vor den Augen der Leser greifbar wird, der sollte sich ein Werk von Zafón schnappen und sich einen Tag, mit den Seiten, Tee und kuscheligen Kissen, einschließen. Denn nur wer ein Werk von ihm, mit Haut und Haaren verschlungen hat, wird annähernd verstehen können, was Buchstaben, wenn sie richtig eingesetzt werden, für eine Wirkung haben können - Magisch!

Charaktere:
Genau wie die Handlung, werden auch die Buchfiguren perfekt ummalt und erlangen so, eine enorme Tiefe. Besonders auch dadurch, dass man sie über mehrere Jahre hinweg begleitet. 
Dabei steht natürlich vor allem Daniel im Vordergrund, welcher als Protagonist, das Abenteuer bestreitet und sich auf die Suche nach Carax Geschichte macht. Dabei bestimmt der Autor nicht nur das Leben des Jungen, sondern wird immer mehr, zur eigentlichen Hauptfigur. Je mehr Daniel in die Geheimnisse von "Der Schatten des Windes" und seinem geheimnissvollen Autoren schlittert, je mehr Informationen und Wahrheiten ans Licht kommen, je mehr wird auch besagter Carax, immer mehr umrissen. Dabei ist seine Geschichte tragisch und berührend, was dazu führt, dass er sich schnell, neben Daniel, zu meinem Lieblingscharakter gewandelt hat.
Doch auch zahlreiche gute, wie auch böse, aber immer sehr gelungene Nebenfiguren, zeichnen dieses Werk aus und verleihen ihm den nötigen Charakter. So lernt man den temperamentvollen Fermín kennen, welchen Daniel von der Straße holt und auch den bösen, skrupellosen Inspektor: Fumero. 
Am Ende ist es das Zusammenspiel, all dieser unterschiedlichen und einzigartigen Figuren, welches dem Werk eine erneute, unglaubliche Präsenz verleihen und das Leseerlebnis unvergleichlich machen.


Cover/ Innengestaltung:
Die Innengestaltung des Werkes, ist sehr schlicht gehalten. Es ist in mehrere Teile gegliedert, die sich an Jahreszahlen orientieren. In diesen Teilen, gibt es dann einzelne Kapitel, welche numeriert sind.
Das Cover des Buches, finde ich schön und auch passend, was wohl auch der Grund ist, warum ist bei vielen anderen, ausländischen Versionen, verwendet wurde. Daneben existiert aber auch eine etliche Menge an weiteren Versionen. Denn "Der Schatten des Windes" wurde in unglaublich, viele Sprachen übersetzt. Einen kleinen Überbblick, über ein paar Wenige, hier:






Kann ein Buch unser Leben verändern? Können Buchstaben, Wörter und Sätze, unsere Zukunft formen und uns auf einen ganz bestimmten Lebensweg führen? Schlicht und einfach: Ja! 
"Der Schatten des Windes", bleibt dabei weder ein Schatten der Erinnerung, noch ein Windhauch, der bald wieder verfliegt. Denn Carlos Ruiz Zafón hinterlaässt Spuren - Spuren in den Herzen seiner Leser, Spuren in der Buchwelt. Sehr gekonnt, mit unglaublich viel Poesie und Mut zur Wahrheit, ist dieses Werk, wie ein farbenfrohes und facettenreichen Gemälde, von welchem man sich nur schwer lösen kann. 
Wir suchen Geschichten, die bewegen, etwas in uns auslösen, wie suchen Buchfiguren, in dessen Leben wir uns wohlfühlen, wir suchen ein Stückchen Wahrheit hinter den Seiten -  in "Der Schatten des Windes", werden wir all diese Dinge finden, nur um sie dann nie wieder vergessen zu können. Denn dieser Roman ist ein Herzstück - mit Buchstaben, Worten und Sätzen, die man immer und immer wieder verschlingen will, kaum dass man sie hinter sich gelassen hat. Denn wer einmal gekostet hat, der wird nie wieder satt werden. Deshalb: Eine uneingeschränkte und dringende Leseempfehlung! Lasst euch in die Geheimnisse von Barcelona ziehen...


Das Buch in Worten:
unvergleichlich, poetisch, überzeugend, magisch, spannend, mitreißend, einmalig





Carlos Ruiz Zafón wurde 1964 in Barcelona geboren und lebt heute in Los Angeles. Mit den großen Barcelona-Romanen ›Der Schatten des Windes‹ und ›Das Spiel des Engels‹ begeisterte er ein Millionenpublikum auf der ganzen Welt; seine Bücher wurden in über 40 Sprachen übersetzt. ›Das Spiel des Engels‹ stand wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Nur kurze Zeit vor ›Der Schatten des Windes‹ schuf Carlos Ruiz Zafón den Roman ›Marina‹, der bereits die gleiche Magie und erzählerische Kraft verströmt. [Quelle: carlosruizzafon.de]



Seite des Autoren:



Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken...

11 Wortgeflüster

  1. tolle Rezension :) das Buch ist echt super

    AntwortenLöschen
  2. Hehe, das Buch dem ich meinen Blognamen entnommen habe :)

    Schöne ausführliche Rezension.

    AntwortenLöschen
  3. Bin gerade auf deinen Blog gestoßen. Der ist wirklich schön!! Besonders der Header!

    AntwortenLöschen
  4. Das Buch steht bei mir auch noch im Regal und wartet darauf gelesen zu werden. Deine Rezension macht mir da wirklich gerade Lust drauf. :)

    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  5. Tolle Rezi :) ich habe das Buch auch vor einiger Zeit gelesen und ich fand es einfach fantastisch. Unglaublich wie der Autor diese Geschichte so überzeugend herüberbringen konnte.

    Dein Blog ist übrigens echt schön :)

    AntwortenLöschen
  6. Von Carlos Ruiz Zafón wollte ich auch schon immer mal etwas lesen.

    Hättest du vielleicht Lust an unserem derzeitigen "Danke-Gewinnspiel" teilzunehmen? Wir würden uns sehr freuen. ♥

    http://fearsomeangel.blogspot.de/2012/08/danke-gewinnspiel.html

    AntwortenLöschen
  7. Ich schließe mich an, tolle Rezi! Jetzt bin ich fast versucht, das Buch sofort auf die Wunschliste zu setzen :) Die Grundidee ist wirklich toll und so wie du das beschrieben hast reizt es mich wirklich ungemein. Bisher habe ich (keine Ahnung warum eigentlich) immer einen Bogen um diesen Autor gemacht, aber das werde ich jetzt wohl ändern.

    AntwortenLöschen
  8. Eine super Rezi hast Du verfasst. Es ist eigentlich eine Schande, dass ich das Buch noch nicht gelesen habe, denn ich habe nur Gutes davon gehört. Nach Deiner Rezension habe ich nur noch mehr Lust darauf.

    Herzlich,
    Evie

    AntwortenLöschen
  9. Die Rezension ist wundervoll! Ich finde es außerdem cool, dass du die ausländischen Buchcover miteingebracht hast; musste ein wenig lachen, als ich die ungarische Ausgabe sah, weil ich diese vor kurzem einem ungarischen Verwandten geschenkt habe.

    Der Schatten des Windes zeugt von einer unglaublichen Geschichte, Wortwitz, Menschlichkeit und ist auch noch in einer wundervollen Sprache verfasst, es ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher, wenn nicht mir sogar das liebste und es freut mich immer wieder andere Fans zu entdecken^^

    AntwortenLöschen
  10. Deine Rezension macht diesem unglaublich guten Buch alle Ehre! Ich bin so froh, auf diesen wahnsinnig begabten Schriftsteller gestoßen zu sein. Deine Idee, die diversen Buchcover anderer Länder zu zeigen, finde ich klasse. Die englische Variante mit dem aufgeklappten Buch ist zauberhauft - wobei die deutschen Leser auch ein sehr schönes Cover bekommen haben im Vergleich zu manch anderen Ländern...
    Ich entdeckte auf deinem SuB 'Das Spiel des Engels', das ich dir wärmstens ans Herz legen möchte. Es ist mein absolutes Lieblingsbuch von Zafon! Viel anspruchsvoller als die anderen Bücher. Schön düster und melancholisch geschrieben. Ich bin gespannt, wie dir der "zweite" Band (eigentlich ist es ja ein Prequel zu 'Schatten des Windes') gefallen wird. :)
    Liebe Grüße,
    Anna

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Da hast du meinen Blog ja genau ins Auge genommen, wenn dir das aufgefallen ist. *zwinker* Ja... stimmt. Leider habe ich "Das Spiel des Engels" noch nicht gelesen. Ich glaube ich habe ein wenig Angst, dass es vielleicht nicht so gut ist, wie "Der Schatten des Windes" und dass ich enttäuscht werde.

      Wobei.. seien wir ehrlich: Ich glaube Zafón kann einfach niemanden enttäuschen, denn er ist einfach wunderbar. Seine Geschichten sind einfach immer atemberaubend! Nicht umsonst zählt er zu meinen Lieblingen.

      Also werde ich mir deinen Rat zu Herzen nehmen <3

      Danke ;)

      Hast du denn schon alle Zafón - Bücher gelesen`?

      LG,
      Jenny

      Löschen

Archiv