Rezension: "Funkensommer" - Michaela Holzinger

8/09/2012 12:07:00 nachm.




"Vielleicht, überlege ich, heißt Funkensommer ja so etwas wie: Es sprühen die Funken im Sommer, vor... ja, vor was eigentlich? Vor Wut? Vor Angst? Vor Liebe? Oder was? Wahrscheinlich heißt Funkensommer eben alles! Darin steckt bestimmt die ganze Palette von Dingen, die das Leben so zu bieten hat. Und wenn ich darüber nachdenke, dann ist dieser Sommer ja auch so etwas wie ein Funkensommer für mich. Mein ganz persönlicher Funkensommer..."
[S. 165 f.]



Erster Satz:
"Weißt du", flüstert meine Freundin neben mir und sieht mich durchdringend an, "manchmal träume ich auch von der Moorhexe."


Hannah  ist 16. Jahre alt und auf dem Weg eine Frau zu werden. Als dieser, sehr besondere und andere Sommer, ihre kleine Welt überrollt, ahnt sie noch nicht, dass ihr Monate voll von Gefühlen ins Gesicht blicken. 
Neben Angst, vor dem eigenen Bruder, mischen sich rebellische Gedanken gegenüber ihren Eltern, die von Hannah verlangen, dass sie ihre ganze freie Zeit, der Sommerferien, in den Bauernhof steckt, denn schließlich soll sie ihn einmal übernehmen. Doch auch Gefühle wie Freundschaft und die erste Liebe, fließen in einem großen Strudel, in die Welt des jungen Mädchens. Auf einmal verschieben sich ihre Wünsche und Träume und Hannah entdeckt, dass es hinter der Oberfläche, noch ein anderes Mädchen gibt und das sie dieses Mädchen dahinter, die wahre Hannah, endlich kennenlernen will. So begibt sie sich, in den wohl stärksten und emotionalsten Sommer ihres Lebens, auf der Suche nach sich selbst und stößt dabei auf ihren ganz persönlichen Funkensommer.




Idee/ Umsetzung:
Manchmal lässt du dich einfach zu einem Buch hinreißen, einfach weil sein Titel, sein Umhang, seine flüsternden Worte, dir eine große Geschichte versprechen. Wenn du dann noch mutig genug bist, dann lässt du dich zu seinen Buchstaben, seinem Inhalt, hinreißen und beginnst, voller Neugierde zu lesen. So erging es mir mit "Funkensommer". Es war einfach ein positives Gefühl, welches mich darin bestärkte, durch die Worte, in die Geschichte zu schlüpfen. Dabei hatte mich vor allem der Titel verzaubert und entspach vollkommen meinem Geschmack. Ich machte mich also auf die Reise, durch einen warmen, gefühlvollen Sommer und erkannte mich von Seite zu Seite, immer mehr in der jungen Hannah wieder. Michaela Holzinger, hat ein ganz besonderes Werk geschaffen, welches sich vor allem durch seine enorme Authenzität auszeichnet. Dabei überzeugt die Autorin nicht nur, durch eine starke Idee, die gerade deshalb so stark ist, weil sie ein Stückchen Realität verpackt, sondern auch dadurch, dass sie durch eine sehr gelungene Transportation, der Gefühle der einzelnen Buchfiguren, gläzen kann. Gerade die Idee und auch die Umsetzung des Werkes, haben mich überzeugt.

Schreibstil:
Der Schreibstil von Michaela Holzinger, ist zunächst sehr gewöhnungsbedurftig, ist ihr Werk doch geprägt von sehr knappen und vielen aufeinander, folgenden Hauptsätzen, die es einem zunächst erschweren, sicher und gekonnt, durch die Handlung zu wandern. Besonders wenn man seine Nase gerade aus einem Buch gesteckt hat, bei welchem eher verschachtelte Sätze, das Geschehen dominiert haben, fällt es einem zunächst schwer, einen guten Einstieg in das Leben von Hannah zu finden. Doch je mehr man sich von den Figuren, hinter die Seiten ziehen lässt, je mehr gewöhnt man sich an den Schreibstil. Dabei hat mich vor allem die Magie angezoegen, die sich hinter den Buchstaben, der Autorin, verstecken. Leicht poetisch und voll von Lebenswahrheiten, führt Michaela Holzinger durch ihr Buch und berührt so schnell das Leserherz. Genau jenes ist es auch, was ihre Geschichte so authentisch gemacht hat, sie weiß einfach, wie sie durch Buchstaben, eine direkte Bindung zum Leser aufbauen kann und so gelingt es ihr, ohne große Probleme, die Gefühle der Charakter zu transportieren.

Charaktere:
Hannah, kann als Buchfigur, stellvertretend, für ganz viele Mädchen stehen. Durch ihre, sehr alltäglichen Probleme, bietet sie sehr viel Spielraum für eine Identifikation. So konnte auch ich mich, mit meinen 20 Jahren, sehr gut in ihre Gefühlswelt versetzten. Denn das junge Mädchen erzählt von dem Erwachsen werden und all seinen Problemen - die erste Liebe, Freundschaft, Familienstreit, Wünsche, Träume. Gerade weil sie von Ereignissen berichtet, in welchen sich jeder wiederfinden kann, wird sie für den Leser so sympathisch. Man lacht, weint, liebt und hasst mit dem jungen Mädchen und will sie nach der letzten Seite, gar nicht mehr gehen lassen, weil man so viel mehr in ihr sieht- ein Stückchen von sich slebst.
Doch auch die anderen Buchfiguren werden sehr gut umrissen und ihre Gefühle so sehr gekonnt offen gelegt. So hegt man auch bald für jene Charakter, positive Gefühle, die man am Anfang nicht so gerne mochte.
Aber genau das ist der Knackpunkt: Nicht alles ist, wie es scheint. Jeder Mensch hat eine Oberfläche und einen inneren Kern. Jeder baut sich nach Außen hin, ein gewisses Bild auf, was nicht heißt, dass es auch im Inneren dieses Menschen so aussieht. Dabei ist die Maske mehr Selbstschutz, als alles Andere und wenn diese dann fällt, wie zum Beispiel beim Bruder der Protagonistin, wenn einem die Augen geöffnet werden, dann empfindet man auch für diese Charakter eine ganz besondere Sympathie.

Cover/ Innengestaltung:
Das Cover, der Titel, wie auch die gesamte Aufmachung des Werkes, harmonieren in perfekter Übereinstimmung und zeigen, was ich auch in der Geschichte wiedererkennen konnte: Die Liebe zum Detail.  Deshalb lasse ich an dieser Stelle, einfach einmal die Bilder sprechen:

 
[Größeres Bild? "anklicken" ]



Nicht in jedem Werk, findet man ein Stückchen von sich selbst, doch "Funkensommer", war wider jeder Erwartung, ein solches Buch für mich. Denn sehr gekonnt und mit ganz viel Authentizität, erzählt Michaela Holzinger, vom ganz alltäglichen Leben und seinen Problemen: dem Erwachsen werden, der ersten Liebe, Familie, Freundschaft und all seinen großen, sowie kleinen Gefühlen. Begleitet durch eine liebenswerte und sehr überzeugende Protagonistin, rauscht der Leser durch einen ganz besonderen Sommer,  einen Funkensommer, und stößt dabei auf das Leben selbst. Auch wenn das Werk, an einigen Stellen, gewisse Schwächen zu vermerken hat, so ist das sommerliche Abenteuer, von Hannah und Co. sehr lesenswert und in jedem Fall, eine Empfehlung wert, auch wenn sich wohl eher weibliche Leser von der Geschichte, ganz überzeugen lassen werden.

Das Buch in Worten:
sommerlich, leicht, kurzwellig, gefühlvoll






1978 geboren in Steyr/Oberösterreich und auf einem Bauernhof aufgewachsen.
Bereits als Kind erfand sie gerne Geschichten und machte 2009 diese Leidenschaft zum Beruf.
Sie lebt mit ihrer Familie und vielen Tieren in Vorchdorf, am Tor zum Salzkammergut.
Für das Manuskript zu Funkensommer wurde sie 2010 mit dem Dixi Kinderliteraturpreis ausgezeichnet (Der Dixi Kinderliteraturpreis ist ein österreichischer Literatur-Förderpreis für Nachwuchstalente, die Texte für junge Menschen schreiben oder Bilderbücher illustrieren. Er wird vom Lebensmittelhersteller Instantia gesponsert und ist nach dessen Traubenzuckerbonbon Dixi benannt.)


Seite der Autorin:

Die Verlagsseite zum Buch:


Trailer:




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