Rezension: "Der Mann, der den Regen träumt" - Ali Shaw

3/13/2013 10:00:00 vorm.



 Finns Augen waren geschlossen, ihre offen. Dann, nach etwa einer Minute, öffnete auch er seine und sie blickte direkt in ihre sturmgepeitschten Tiefen. Elsa versank im unvollkommenden Rund seiner Pupillen, die wie das Zentrum eines Labyrinths waren, auf das sie seit langer Zeit zuirrte.

[S. 126]





Erster Satz:
Der Regen begann mit einem einzelnen sanften Tippen an ihr Schlafzimmerfenster, dann noch eins und noch eins, und schwoll schließlich zu einem stetigen Prasseln gegen die Scheibe an.



Nach dem Tod ihres Vaters, beschließt Elsa die Großstadt  New York zu verlassen und zieht in die Kleinstadt Thunderstown. Damit lässt die junge Frau ihr altes Leben komplett hinter sich. Noch bleibt Elsa der wahre Grund, für ihr Abenteuer verschlossenen. Sie ist auf der Suche: Auf der Suche nach sich selbst. Doch stattdessen findet sie in der Kleinstadt etwas ganz anderes. 
Bei einem Ausflug in die Berge, beobachtet Elsa einen Mann, welcher sie sofort verzaubert - Finn. Finn ist kein gewöhnlicher Mensch und verfügt über eine Gabe, welche Fluch uns Segen zugleich ist. Deshalb versteckt er sich, lebt als Einsiedler und wird immer unglücklicher. Als Elsa in sein Leben tritt, scheint sich alles zu ändern. 
Doch in Thunderstown ist kein Platz für Märchen und Magie, die Bewohner der Kleinstadt sind sehr konservativ und so geraten Elsa und Finn, schon bald in tödliche Gefahr.




Idee/ Umsetzung:
Ich liebe Regen. Nicht immer, ich muss es gestehen. Aber ich finde es gibt nichts schöneres, als den Regentropfen zu lauschen, die gegen die Scheibe klopfen. Irgendwie hat es etwas Beruhigendes an sich. Ich finde es auch schön, wenn man mit einem heißen Kakao und einem guten Buch vor den dicken Fensterscheiben sitzt und gerade an solchen, mit Regen verhangenen Tagen, liest. Deshalb sprach mich: "Der Mann, der den Regen träumt", auch sofort an. Das unglaubliche Cover, die Beschreibung des Inhaltes und die Verheißung auf eine Geschichte nach meinem Geschmack, lockten mich förmlich zwischen diese Seiten. Doch leider bekam ich nicht ganz jenes geboten, was ich mir erhofft hatte. Zwar hat Ali Shaw hier eine wunderbare Idee in Worte glekleidet, ist jedoch teilweise an der Umsetzung gescheitert. Ich kann leider kaum definieren woran es lag. Auf der einen Seite hat sich die Beziehung zwischen Elsa und Finn, einfach zu schnell entwickelt, auf der anderen Seite haben sich einige Handlungen meinem Verständnis entzogen. Trotz allem, hat mir das Abenteuer gefallen, denn die Idee ist irgendwie märchenhaft und hat mich von Anfang an verzaubert.

Schreibstil:
Der Schreibstil von Ali Shaw gleicht einem Sommerregen: erfrischend und leicht. Mit viel Tiefsinn, Gefühl und Poesie, erweckt der Autor die Buchkulisse zum Leben. Der Leser kann demnach in ein sehr bildhaftes und gerade dadurch lebendiges Märchen eintauchen. Die Schreibe von Herrn Shaw ist definitv eine der Leckerbissen an diesem Buch.

Charaktere:
Die Figuren in dieser märchenhaften Geschichte, erlangen sehr viel Ausdruck durch den bildhaften Schreibstil des Autors und werden so mehr als farbig untermalt. Dadurch erlangt auch jeder Charakter seinen eigenen Charme - ob nun Guten oder Bösen. In "Der Mann, der den Regen träumt", tragen die Figuren zudem  maßgeblich zur Atmophäre bei. Denn jede Figur hat ihre eigene Geschichte, die oftmals tiefe Wurzeln bis in die Vergangenheit schlägt. Gerade durch die Geschichten der einzelnen Figuren, wird es dem Leser erleichtert, ein Gefühl für eben diese zu erlangen - dies stärkt das Buch ungemein. Trotz allem habe ich es nicht geschafft, mich von den beiden Protagonisten verzaubern zu lassen. Sie konnten mich nicht ganz einnehmen. Ich hatte teilweise das Gefühl, dass einige Lücken in ihren Geschichten waren und deshalb haben sich manche Handlungen, mehr als einmal, meinen Verstand entzogen. Sehr schade, eben weil mir die Idee, wie auch der Schreibstil, so zugesagt hatten. Auch wenn ich, wie bereits beschrieben, der Ansicht bin, dass die sehr bildhaften Figuren das Werk stärken, so habe ich persönlich, auf keine gemeinsame Ebene mit ihnen finden können.

Cover/ Innengestaltung:
Man muss eigentlich gar nicht viel über das Cover sagen. Man muss es sich nur einmal ansehen und schon fängt einen die Magie, welche das Buch umgibt, ein. Für mich ein wahrlicher Augenschmaus und mit eines der schönsten Cover in meinem Regal. 
Die Innengestaltung bleibt auch nicht im Schatten des Titelbildes zurück, sondern weiß sich gekonnt anzupassen. Kleine Bildchen, die optisch zum Cover passen, verzieren das Innere. Schlicht: Wunderschön!


 
Ich sehe den "Mann der den Regen träumt" an und wünschte mir, er würde den leichten, erfrischenden Sommerregen durch ein kraftiges, stürmisches Gewitter ersetzen, welches alle Sinne schärft. Zwar ist der Sommerregen ersehnt und frisch, doch eher ein kurzwelliges und bald verflogenes Ereignis. Ein Gewitter hingegen, bleibt in Erinnerung, zerrt an den Nerven und weiß gekonnt in seinen Bann zu ziehen. Das aktuelle Werk von Herrn Shaw ist durchaus von Magie getränkt und weiß gekonnt durch einen märchenhaften, farbigen und poetischen Schreibstil zu überzeugen, doch trotzdem fehlt dem Buch das entscheidende i-Tröpfchen in der Pfütze. Ali Shaw - diesen Namen sollte man sich auf jeden Fall merken. "Der Mann, der den Regen träumt" - Diesen Titel sollte man, alleine wegen der süßen, leichten Idee, in jedem Fall in Betracht ziehen, doch ob die Magie auch auf einen überschlägt, bleibt eine offene Frage. Trotz einiger Schwächen, hat mir mein kleines Abenteuer mit Elsa und Finn gefallen, aber diesmal gibt es nur eine eingeschränkte Leseempfehlung: Lasst euch verzaubern und findet heraus, ob "Der Mann der den Regen träumt", in euch leichten, kurzwelligen Sommerregen auslöst oder ein überwältigendes, mitreißendes Gewitter der Emotionen. 
P.S. Vergesst den Regenschirm nicht ;)

Das Buch in Worten:
kurzwellig, märchenhaft, leicht, süß





Ali Shaw wurde 1982 geboren und wuchs in einer kleinen Stadt in Dorset, Großbritannien, auf. Nach seinem Abschluss in Englischer Literatur an der Universität von Lancaster arbeitete er als Buchhändler und in einer Bibliothek in Oxford. Sein Debüt Das Mädchen mit den gläsernen Füßen war ein großer Überraschungserfolg und wurde in 18 Sprachen übersetzt. Gerade hat Ali Shaw seinen zweiten Roman beendet. 
[Quelle: Script5]



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3 Wortgeflüster

  1. "Der Mann, der den Regen träumt" will ich definitiv bald mal lesen^^ Das Cover ist einfach zu schön, um das Buch nicht im Regal stehen zu haben, und Ali Shaws Schreibstil konnte mich schon bei "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" begeistern ;)
    Schade, dass dir die Umsetzung nicht ganz so gut gefallen hat wie die Idee selbst... Ich werde aber auf jeden Fall noch schauen, ob das Buch mich verzaubern kann :D

    Liebe Grüße,
    Filo

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  2. Schade, dass es dir nicht ganz so gut gefallen hat. Ich hab es zwar noch nicht gelesen, aber ich hatte schon recht hohe Erwartungen!
    Liebe Grüße Ana

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  3. Also mir hat das Buch unglaublich gut gefallen. Es ist eins meiner großen Lieblinge, weil es einfach so anders ist, als viele andere. Es hat mich einfach verzaubert und die Cover von Shaws Büchern sind auch einsame spitze! Das Mädchen mit den gläsernen Füßen war inhaltlich dagegen nicht so mein Fall, weil ich die Geschichte nicht als rund empfand und mir zu viele Fragen ungeklärt geblieben sind. LG Jueli :)

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