Rezension: "Renegade - Tiefenrausch" - J. A. Souders

3/22/2013 05:06:00 nachm.

 
Die Gier hat die Seelen der Menschen vergiftet.
Die Oberflächenbewohner haben zerstört,
was einst wunderschön war, und es in eine schaurige
Version dessen verwandelt, was sie Frieden nennen.
Aber hier unten haben wir wahrhaftigen Frieden.
Es wird weder Angst geben noch Krankheit,
Hunger, Hass oder Habgier. Wir haben uns
eine Utopia erschaffen. Und es ist wundervoll.
- Mutter, Auszug aus ihrer Gründungsansprache
[S. 222]



Erster Satz:
Mein Leben ist absolut perfekt.

Evelyn ist die Tochter des Volkes und ihr Leben scheint durch und durch perfekt. Denn als Tochter von Elysium, wird sie einmal das Oberhaupt werden, wie ihre Mutter. Elysium ist eine Stadt unter der Oberfläche, eine Unterwasserstadt. Das Leben dort ist streng geregelt. Eine dieser Regel besagt, dass die Oberfläche und besonders ihre Bewohner böse, schmutzig und augenblicklich zu töten sind, sobald sie auch nur einen Fuß in die Stadt setzen. Wie gerne würde Evelyn glauben, dass die Oberfläche schlecht ist. Doch tief in ihrem Inneren fühlt sie sich magisch zu allem von der Oberfläche hingezogen.
Als schließlich Gavin auftaucht, ein dreckiger Oberflächenbewohner, gerät die Welt des jungen Mädchens schließlich ganz durcheinander. Zwischen Abscheu und Sehnsucht, kämpft Evelyn um Klarheit. Doch immer öfter scheinen ihre Erinnerungen von einem grauen Nebel verhangen. Bald erkennt Evelyn, dass etwas ganz und gar nicht mit rechten Dingen zugeht und alle Wege münden bei ihrer Mutter. 
Ehe sich Gavin und die Tochter des Volkes versehen, stecken sie bereits in höchster Gefahr und müssen um ihr Leben bangen, denn in Elysium verstecken sich einige, grauenhafte und beängstigende Geheimnisse, die besser niemals die Oberfläche erreichen sollten...


Idee/ Umsetzung:
Man nehme eine Stadt und versetze sie unter die Oberfläche und versehe sie zusätzlich mit Menschen  - aber nur jene mit perfekten Genen - die sie ab sofort bewohnen und beleben. Dies passiert in "Renegade - Tiefenrausch"
Frau Souders erschafft mit dieser Idee eine sehr neue und außergewöhnliche Buchkulisse. Am Anfang sah ich einer märchenhaften Geschichte á la Disney entgegen, wurde aber schnell eines Besseren belehrt. Denn dieses Buch hat rein gar nichts mit einer märchenhaften Geschichte gemein. Stattdessen überzeugt das Werk durch atemlose Spannung und den einen oderen anderen, schockierenden Fact. "Renegade" verfügt weniger über Romantik - obwohl natürlich auch eine Liebesgeschichte das Geschehen bestimmt - und eine märchenhafte Kulisse, sondern viel mehr über eine Stadt des Grauens, in welcher es wahrlich nicht mit rechten Dingen zugeht. Aber gerade jenes ist das Gute und Außergewöhnliche hinter den Seiten. Frau Souders hat hier nämlich eine etwas andere Dystopie geschaffen, welche sich besonders durch ihre Kulisse von anderen Werken unterscheidet und durch eine sehr gute, wie auch spannende Handlung getragen wird. Nach dem letzten Wort, der letzten Seite, sieht man also nur allzu gerne, der Fortsetzung entgegen. Denn diese Dystopie kann sich sehr gut gegen seine Mitstreiter und Konkurrenten behaupten.

Schreibstil:
Bei manchen Büchern ist der Schreibstil manchmal reine Nebensache - ausgenommen sind natürlich sehr gewöhnungsbedürfte Schreibarten von Autoren. Aber solange einen die Buchstaben einfach und offen empfangen, solange hat man auch keine Probleme ein Teil der Geschichte zu werden. Bei J. A. Souders, war genau dies der Fall. Denn die Autorin schreibt zwar sehr einfach, aber doch unglaublich mitreißend und offen, was es dem Leser ungemein erleichtert, zwischen Evelyn und Gavin dieses Abenteuer zu bestreiten. Mit unglaublich viel Spannung und Mut zur Grausamkeit, schreibt Frau Souders damit eine sehr bewegende und aufwühlende Lektüre, welche schnell in ihren Bann zieht. Der Schreibstil wird gleichzeitig zum Boot, welches den Leser durch jeden Satz geleitet, aber auch zur Nebensache und gänzlich unsichtbar. Denn die Handlung ist so rasant, dass die Buchstaben ihre Leser fast unbemerkt, tief in den roten Faden verweben.


 Charaktere:
Die Figuren in dieser Geschichte sind für mich der einzige, bittere Beigeschmack. Zwar konnte ich Evelyn, wie auch Gavin, sehr ins Herz schließen und ihre Gefühle und Handlungen nachvollziehen, jedoch hat mich besonders Evelyn, manchmal sehr genervt. Evelyn ist zwar sehr klug, aber teilweise unglaublich naiv. Zwar wird ihre Naivität, welche besonders am Anfang auftritt, nach einiger Zeit verständlich und ich weiß auch, dass sie irgendwie dazugehören muss, aber trotzdem hat es irgendwann an meinen Nerven gezerrt. Aber dies ist nur ein kleiner Kritikpunkt und kann mir meine Überzeugung, dem Gesamtwerk gegenüber, nicht umreißen. Denn insgesamt sind alle Charaktere in dieser Geschichte, sehr gut ausgearbeitet. Besonders gefallen hat mir deshalb auch der Bösewicht. Denn dieser Bösewicht ist so grausam, gemein und hinterhältig, dass man dieses Kribbeln in seinen Fingern bekommt. So wurde ich gerade von dem Schurken, gänzlich überzeugt.

Cover/ Innengestaltung:
Leider kann mich das deutsche Cover gar nicht überzeugen. Am Anfang fand ich es ganz aufregend und schön, doch nachdem ich die Geschichte hinter dem Cover entdeckt habe, empfinde ich es als unpassend. Die Idee mit dem Mädchen, welches in einer Blase eingesperrt ist, hat durchaus potential, aber gerade jenes Mädchen ist, in meinen Augen, der Fehler an diesem Bild. In Elysium gibt es eine Regel: Die Gene müssen stimmen. Jene Gene, im Vergleich zu den Oberflächenbewohnern, zeichnen sich besonders durch blonde Haare und blaue Augen aus. Dies ist in Elysium sehr wichtig, deshalb passt das Mädchen mit den schwarzen Haaren so gar nicht zu der Geschichte. Da gefällt mir das englische Cover um einiges besser. Auch deshalb, weil auf dem englischen Cover ein spezieller Ort aus dem Buch aufgegriffen wird.
Die Innengestaltung passt gut zum deutschen Cover: Die Kapitel werden durch Nummern, welche sich in Blasen befinden, eingeleitet. Zudem findet sich zum Anfang, jedes Kapitels, ein kleiner Text. Dieser Text stammt meistens aus einem Regelbuch oder sonstigen Schriftstücken aus Elysium.

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Seit die Buchwelt regelrecht mit Dystopien überschwemmt wurde, haben es einige Werke sehr schwer sich gegen ihre Konkurrenten zu behaupten und somit über Wasser zu halten. Aber warum muss man sich auch immer an der Oberfläche behaupten? "Renegade - Tiefenrausch", schafft es nämlich gekonnt, sich gerade "Unterwasser" zu behaupten. Frau Souders hat hier eine Dystopie geschaffen, welche nicht nur Lebensweisen und Einstellungen kritisiert, sondern auch gezielte Anspielungen und Kritik am Nationalsozialismus übt. Eine zusätzliche Portion Spannung, ausgearbeitete Figuren sowie besonders grausame Schurken, verpassen der Geschichte den restlichen, nötigen Feinschliff und gestalten "Renegade" somit, als leckeren Bücherschmaus, welchen man nur allzu eilig verschlingen möchte. Deshalb mein Tipp: Zieht euch eure Badesachen an, schnallt euch die Schwimmflossen unter die Füße, setzt die Schwimmbrille auf und begebt euch nach Elysium, zu Evelyn und Gavin, um mit ihnen zusammen, durch dieses rasante, schockierende und mitreißende Abenteuer zu tauchen.

Das Buch in Worten:
mitreißend, spannend, schockierend, bewegend, außergewöhnlich, überzeugend





J.A. Souders besaß schon als Kind eine übersprudelnde Phantasie: Um mit den Monstern unter ihrem Bett Freundschaft zu schließen, erzählte sTie ihnen vor dem Einschlafen Geschichten. Bereits mit dreizehn Jahren fing sie an zu schreiben und engagiert sich heute als Autorin in zahlreichen Creative Writing Workshops. "Renegade" ist ihr erster Roman. J.A. Souders lebt in Florida mit ihrem Mann und zwei Kindern.




 Seite der Autorin:



 [Trilogie]

1. Renegade: Tiefenrausch 
2. Revelations ~ ERSCHEINT: 5.11.13 auf Englisch 
3. Noch keine Informationen vorhanden



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Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken...

3 Wortgeflüster

  1. ICH WILL DAS BUCH AUCH LESEN!! ;D
    Es klingt echt interessant und spannend!
    Also ich mag beide Cover und bin gespannt ob ich nachdem ich das Buch gelesen habe, auch eine andere Meinung habe ;)
    Schöne Rezi !!

    LG, Gina ;)

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  2. Ich mag auch beide Cover, nur wenn die Leute da unten blond sind, ist das mit dem dunkelhaarigen Mädchen schon ein Fehler :P

    Bei mir liegt das noch auf dem SUB und wartet auf Zeit.

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