Selection | Kiera Cass

3/05/2017 10:30:00 vorm.

America Singer ist glücklich, obwohl sie lediglich eine Fünf ist, obwohl sie aus einer niedrigen Kaste stammt, die Kaste der Künstler. Denn im Staat Illeá bestimmt ein Kastensystem über das Leben. Welche Person man lieben kann, welchen Beruf man ausüben darf, unter welchen Umständen man leben soll. Doch allen Regeln und Vorschriften zum Trotz, verliebt sich America bis über beide Ohren in Aspen. Aspen, eine Sechs. Aspen, eine Kaste unter ihr. Aspen, dessen Heirat auch sie zu einer Sechs machen würde. Doch America ist das egal, denn was bringt ein Leben als Fünf, ohne den Menschen den man liebt? 
Als der Thronnachfolger von Illeá Prinz Maxon sich jedoch auf die Suche nach einer geeigneten Braut macht und damit die Selection einläutet - ein langwieriges Auswahlverfahren, bei dem sich junge Mädchen aller Kasten als mögliche und zukünftige Prinzessin bewerben können - ändert sich Americas Leben schlagartig. Will sie zusammen mit 34 weiteren Anwärterinnen um einen Mann kämpfen, den sie nicht liebt? Will sie ihrer Familie zum Wohlstand verhelfen, ihre Mutter stolz machen, ihrer kleinen Schwester eine bessere Zukunft ermöglichen? Und ist sie dafür bereit, auf eine Leben mit Aspen zu verzichten?
Jeder der schon einmal "Der Bachelor" gesehen hat, dem wird diese Buchidee, die sich hier in Form einer Dystopie präsentiert, durchaus vertraut vorkommen. Eine Schar voll junger Mädchen, dessen einziges Ziel es ist, das Herz eines Mannes zu erobern. Im Gegesatz zur bekannten Trash-Tv Sendung, kommt der Zuschauer bei "Selection" jedoch nicht halb so sehr auf seine Kosten. Statt boshafter Seitenhiebe, heimtückischer Intriegen und den altbekannten Zickereien, erwartet einen hier über lange Strecken nur Friede, Freude, Eierkuchen. Was nicht schimm wäre, wenn das Werk noch mit anderen Komponenten in Sachen Spannung punkten könnte - dies schafft es jedoch nicht.
Neben schönen Kleidern, prunkvollen Festen im Schloss und glamourösen Dates mit dem Prinzen, versucht Kiera Cass der Geschichte durch Rebellenangriffe den nötigen spannenden Zusatzschliff zu geben - an für sich kein schlechter Grundgedanke, auch wenn mir ein eskalierter Zickenkrieg unter den Kandidatinnen hier durchaus mehr zugesagt hätte - doch wie auch bei vielen anderen Aspekten, schafft es die Autorin hierbei nicht, der jeweiligen Handlung den nötigen Pepp zu geben. 
Die Angriffe der Rebellen sind relativ flach geschildert, die Rebellen an sich bleiben Gesichtslos, das Bild eines Schurken kann sich so nicht im Kopf des Lesers manifestieren und schließlich bleibt der Sinn und Zweck dieser Einschübe im Werk undeutlich. Die Szenen wirken so durchweg ziemlich deplatziert.

America Singer ist - verzeiht mir - einfach eine Schnarchnase und als Protagonistin gänzlich farblos. Sie ist in ihren Entscheidungen inkonsequent, naiv und bleibt das ganze Werk über relativ glatt. Dem Leser wird kaum eine Chance geboten, sich in ihre Gedanken und Gefühle hinein zu versetzen oder ihre Handlungen nachzuspüren. 
Auf der einen Seite ist sie unsterblich in Aspen verliebt, er ist ihre große, ihre wahre Liebe, für ihn würde sie alles machen, selbst im Gesellschaftskonstrukt weiter absteigen, trotzdem fühlt sie sich letztlich auch von Maxon angezogen und landet schlussendlich in einem komplizierten Liebesdreieck. Dies zu verstehen fiel mir schon schwer, denn entweder glaube ich an die Liebe zu einem Menschen oder eben nicht. Von dieser Tatsache einmal abgesehen: Die Szenen zwischen Maxon und America sind durchweg relativ schlicht und einfach - es wird zwar verständlich, was Maxon in America sehen könnte, jedoch in keinster Weise, was Maxon an sich hat, dass America plötzlich in ihrer Liebe zu Aspen ins Wanken gerät.  
Auch der Schreibstil von Kiera Cass, kann meine Meinung über den Schmöker nicht mehr rumreißen. Dieser kommt sehr einfach, ohne viel Tamtam oder ausgefeilte Dialoge daher und bleibt somit weit hinter ähnlichen Büchern des Genres zurück. Die zusätzliche Vorhersehbarkeit des Plots befördert das Buch schließlich völlig ins Aus. 
Schlussendlich noch das absolute Sahnehäubchen: Die eBook-Ausgabe strotzt vor etlichen Textfehlern und nimmt erheblichen Einfluss an dem Lesefluss, der angesichts der uninteressanten Protagonistin und fehlenden Spannung sowieso schon unter keinem guten Stern steht - schade!
An "Selection" von Kiera Cass, scheiden sich augenscheinlich die Geister. Entweder man liebt die Geschichte um America, Aspen und Maxon oder man hasst sie. Ich muss mich hier diesmal leider in letztere Gruppe einreihen. Nicht nur, dass es der Dystopie durchweg an Spannung fehlt, zudem muss man als Leser eine ziemlich glatte und farblose Protagonistin begleiten, die sich durch eine Sprunghaftigkeit auszeichnet, welche den Plot mehr als einmal ins Straucheln bringt. Ein sehr einfacher, oberflächlicher und klischeebehafteter Schreibstil geben dem Ganzen dann noch den Rest und katapultieren diese Buchreihe für mich ins Aus. 
Das Buch in Worten:
langweilig, ohne viel Spannung, ohne sympathischen Charakter, farblos

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 Sauerländer | eBook | Februar 2013 | 368 Seiten | € 9,99 | "The Selection" |

Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken...

6 Wortgeflüster

  1. Guten Morgen,
    ich muss dir in allen Punkten zustimmen, aber interessanter Weise war ich trotzdem süchtig nach dieser Reihe. Es war wie bei einem Unfall, bei dem man nicht wegsehen kann.
    LG
    Yvonne

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    1. Hallo Yvonne,
      ich verstehe was du meinst. Ich würde ja gerne weiterlesen, weil mich interessiert für wen sich America letztlich entscheidet, aber da mir eigentlich nichts wirklich gefallen hat an dem Buch, wird mich diese Neugier wohl nicht dazu treiben können, mir Band Nr. 2 zu kaufen.

      LG! :)

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  2. Ich hatte eine sehr ähnliche Erfahrung mit dem Buch. Hatte mich schon auf totalen Zickenterror und Intrigen gefreut, so richtig flache Unterhaltung a la Germany's Next Top Model und dann kommt da diese stinklangweilige Geschichte daher. Ich hatte echt mehr Drama erwartet.

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    1. Ja...
      Das hätte der Geschichte ungemein gut getan und sie aufgewertet. Echt schade.. :/

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  3. Ich fand beim ersten Teil dieser Reihe (weiter habe ich nicht gelesen, das wollte ich mir nicht antun), dass man sehr deutlich merkt, was die Autorin eigentlich wollte: Eine flache Liebesgeschichte schreiben, gewürzt mit einer Prise Drama. Da zu dieser Zeit aber Dystopien in waren, musste eben ein solcher Hintergrund her, der überhaupt nicht durchdacht und ausgebaut wurde. Dadurch ist die Geschichte, würde ich sagen, auch so flach und nichtssagend.
    Schön, dass endlich mal jemand meiner Meinung ist. Und America ist definitiv eine der langweiligsten Protagonistinnen, von der ich je gelesen habe. Aber der Name sagt ja auch schon alles :D

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  4. Hallo! :)
    Sehe ich genauso wie du. America hat mich ziemlich genervt, sie war einfach nur oberflächlich, genauso wie das ganze Buch. Die Angriffe kam mir irgendwie auch aus der Luft gegriffen vor. Den Hype verstehe ich jedenfalls nicht :D
    Schönen BLog hast hast du ♥
    Ganz liebe Grüße, Denise

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