Wir Kinder aus Bullerbü | Astrid Lindgren

10/05/2017 10:00:00 vorm.

Der Mittelhof, der Südhof und der Nordhof sind für Lisa, Lasse, Bosse, Ole, Britta und Inga die ganze Welt. Hier leben sie, hier spielen sie, hier erleben sie die größten und aufregendsten Abenteuer. Auf dem Heuboden schlafen, Hütten bauen oder Rüben ziehen, den sechs Kindern wird es niemals langweilig, denn sie sind die Kinder aus Bullerbü.


Manche Geschichten sind zeitlos. Manche Geschichten sind für jung und alt. Manche Geschichten verlieren einfach niemals ihre Magie. Geschichten wie "Wir Kinder aus Bullerbü" von Astrid Lindgren beispielsweise. Seit der Erstauflage im Jahr 1954, wurde der Kinderbuch-Klassiker schon unzählige Male verkauft, neu aufgelegt, überarbeitet und in den unterschiedlichsten Kinderzimmern, auf der ganzen Welt vorgelesen. Doch was macht die Geschichte um die sechs Kinder aus Bullerbü so besonders? Genau diese Frage habe ich mir gestellt, als ich dieses Jahr, das erste Mal in meinem Leben - und ja, ich bin fünfundzwanzig Jahre alt und ja, Schande über mein Haupt - ein Werk von Kinderbuchautorin Astrid Lindgren zwischen den Fingern hatte. Denn nachdem mein Freund festgestellt hatte, dass mir ein entscheidendes Stück meiner Kindheit fehlte, bekam ich prompt eines seiner Lieblingsbücher geschenkt, mit einer sehr passenden und alles sagenden Widmung von ihm: "Ein Stück Kindheit, das einfach nicht fehlen sollte. Egal, wie alt man ist."

Und so schlüpften wir in die Abenteuer der Kinder aus Bullerbü. Ich schreibe hier bewusst wir, denn wie sich das bei solch einem Buch gehört, musste mein Freund mir die Geschichten selbstverständlich vorlesen - denn nur so kann man sich ganz auf die Magie zwischen den Zeilen einlassen. 

Und was soll ich sagen? Schon nach der ersten Kurzgeschichte war ich ganz und gar verliebt und erinnerte mich an all jene Abenteuer, Spiele und Entdeckungsreisen zurück, die auch ich als Kind erlebt hatte. Geheimverstecke bauen, Detektiv spielen und natürlich Muttis Kleider stibitzen und verkleiden spielen. All diese Erinnerungen lässt dieser Klassiker aufleben und erzeugt dabei ein wohlig warmes Gefühl, ein schokoladener-warmer-Sahne-Kakao-Gefühl.

Dabei nimmt uns Lisa, eine der zwei jüngsten aus der Truppe, mit auf die Reise und erzählt aus der Ich-Perspektive von ihren Erlebnissen in Bullerbü. Denn zusammen mit ihren zwei Brüdern Lasse und Bosse, sowie ihren zwei besten Freundinnen Inga und Britta und dem Nachbarsjungen Ole, wird es Lisa niemals langweilig - dafür gibt es auch gar keinen Grund, denn der Südhof, der Nordhof und der Mittelhof, verstecken genug Spiel und Spaß, genug Erlebnisse. Das, was die Geschichte so besonders und zeitlos macht, ist die Unbeschwertheit, die Freiheit und die unendlich und wunderschön, kindliche Phantasie, über die Lindgren hier, mit einem sehr passenden, leichten und losgelösten Schreibstil schreibt.  Fernab von jeglicher Technik, thematisiert die Autorin das, worauf es ankommt: Freundschaft, Familie und den Spaß am Leben. 

In insgesamt 17 kleineren Geschichten erfahren wir deshalb nicht nur, warum Jungs keine Geheimnisse haben können, Brüder anstrengend sind oder wie Ole seinen Hund bekam, sondern auch etwas darüber, wie genügsam man leben und dabei trotzdem glücklich sein kann, was es heißt für die Familie da zu sein und wie selbstverständlich es ist, Menschen, aber auch Tieren in Not zu helfen. Genau aus diesem Grund wird "Wir Kinder aus Bullerbü" hoffentlich noch lange zeitlos bleiben und noch lange Zeit in Kinderzimmern auf der ganzen Welt vorgelesen werden: Weil es sich auf die Dinge im Leben fokussiert, die wichtig sind. Weil es Kinder zeigt, die dank ihrer Phantasie alles sein können und alles machen können, was sie sich wünschen. 

Zu meiner Ausgabe: Ich besitze die farbig illustrierte Ausgabe mit Bildern von Katrin Engelking und kann diese nur wärmstens empfehlen. Ihre Bilder sind unglaublich stimmig und untermalen jede einzelne Geschichte nochmals auf ganz besondere Weise.

"Ein Stück Kindheit, das einfach nicht fehlen sollte. Egal, wie alt man ist." Das fasst es passend zusammen. Der Klassiker "Wir Kinder aus Bullerbü" von Kinderbuchautorin Astrid Lindgren ist zeitlos und bietet kleine Geschichten mit Herz. Genau aus diesem Grund, ist es niemals zu spät, zusammen mit Lisa, Inga, Britta, Ole, Lasse und Bosse im Heu zu schlafen, durch den Schnee zu stampfen oder Rüben zu ziehen, denn dieses Buch bietet genug Abenteuer für jung und alt und verpackt dabei Themen, die wichtig sind, die mitten aus dem Leben sind, die man einfach nie aus den Augen verlieren sollte.

Das Buch in Worten:
phantasievoll, unbeschwert, abenteuerlich, zeitlos

 
http://www.oetinger.de/buecher/kinderbuecher/ab-6-jahren/details/titel/3-7891-0393-4//////Immer%20lustig%20in%20Bullerb%FC.html

Oetinger| Hardcover | August 2014 |  96 Seiten | € 12,99 |

Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken...

4 Wortgeflüster

  1. Hallo Jen =)

    das ist eine ganz wundervolle Rezension geworden <3. Wir haben die gleiche Ausgabe Zuhause. Ich habe sie zusammen mit meiner Tochter gelesen und war wirklich begeistert. Astrid Lindgren hatte wirklich ein gutes Händchen für Kinderbücher.

    LG
    Anja

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  2. Oh, mit dem Zitat hat sie mich mitten ins Herz getroffen! - das klingt ja wundervoll! Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mir schon ewig vornehme, "Wir Kinder aus Bullerbü" (und andere Lindrgen-Klassiker) zu lesen, es bis jetzt aber nie getan habe. Memo an mich: DAS WIRD JETZT GEÄNDERT!

    Deine Besprechung und die Bilder sorgen wirklich dafür, dass man schnurstracks in die Buchhandlung sausen und sich das Buch holen will! ♥

    Viele sonnige Grüße,
    Nana

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  3. Hallo Jen,
    ich stimme dir zu, dass Wir Kinder aus Bullerbü total schön ist und für immer in meinem Herzen sein wird. Ich kann leider, aus eigener Erfahrung sagen, dass die Bücher doch nicht so zeitlos sind. Ich habe inzwischen mehrere Kinder im Bekanntenkreis, die mit den Kindern aus Bullerbü und auch mit Michel nichts mehr anfangen können und zwar nicht, weil sie die Geschichten grundsätzlich nicht mögen, sondern weil es zu viel Erklärungsbedarf gibt. Sie verstehen nicht, warum die Familien mit Pferd und Wagen und nicht mit dem Auto fahren, warum es kein Telefon gibt, was eine Magd oder ein Knecht ist. Diese Dinge sind heutigen Kindern einfach nicht mehr geläufig. Ich persönlich finde das sehr schade, aber habe, wie gesagt, die Erfahrung gemacht, dass die Bücher leider nicht wirklich gut ankamen.
    Viele liebe Grüße
    Yvonne

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  4. Hallo Yvonne,
    Ach echt? Schade! Da hätte ich ja jetzt nicht mit gerechnet. Dachte halt auch weniger zeitlos wegen der Technik, sondern mehr wegen der kindlichen Phantasie, die da thematisiert wird. Hach... Da passt ja wieder Omis alter Spruch: Früher war alles besser.
    Meiner Kindheit entspricht das Buch nämlich noch sehr.

    Liebste Grüße,
    Jenny

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